Den Hergang gestern Abend können Sie folgendermaßen rekonstruieren:

„Hervorragend, ausgezeichnet, einfach fabelhaft!" hatte  die alte Dame immer wieder vor sich hingemurmelt, während sie mit ihrem Neffen die Treppen zu den Gleisen hinaufgestiegen war. Soeben hatten beide die Oper verlassen und waren nun auf dem Weg nach Hause. Es war spät geworden - eine Wagner-Oper! Der Zug nach Esslingen fuhr um 23.32 Uhr.
Die Augen der alten Dame strahlten; selten hatte ihr ein Stück so gut gefallen!
"Richard", hatte sie gesagt, "Richard, hörst du mich? Was ist denn los?"
Ihr Neffe war zusammengezuckt...

Da lag etwas auf dem Bahnsteig und dieses Etwas war ein Mann!
Dem Neffen war schwarz vor den Augen geworden, denn der Mann rührte sich nicht.
"Er ist tot! Tot, tot, tot!"

Richard hatte den Kopf gewendet, doch das Bild des Mannes sah er immer noch vor sich.
Auf dem Bauch lag er da, die Arme vor sich, die Beine angewinkelt...

"Fühlst du dich nicht wohl?" Die Stimme seiner Tante holte ihn in die Realität zurück.

Die alte Dame selber schien nichts gesehen zu haben. Nun, ihre Augen waren schon alt und verbraucht...

"Richard, sag', was ist? Ist die Person verletzt?"
„Er ist tot,Tante..."

„Diese Menschen! In dieser Welt ist auch alles möglich! Zu meiner Zeit..."

Richard hatte sie nicht mehr gehört. Er starrte das Gesicht des Toten an...
Sein Mitarbeiter Frank Brinkholz!

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