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Aus: Hartmut Böhme und Klaus R. Scherpe
(Hg.),
Literatur und Kulturwissenschaften
Positionen, Theorien, Modelle
Reinbek (rowohlts enzyklopädie 575) 1996, S.
15 f.
„das Konzept, wonach es sich bei
«Kultur»
um
einen symbolischen oder textuellen
Zusammenhang handele,
um ein Textuniversum,
in welchem sich einzelne kulturelle Momente, als Texte, immer nur
durch ihre Kontexte bzw. eine Fülle von Kontexten
erschließen.
Die Kultursemiotik stützt sich auf solche Annahmen.
Die
kulturelle Realität wird
mithin als Text oder Zeichen verstanden,
als ein gewaltiges Gewebe, eine Textur, die
im historischen Querschnitt gemäß ihrer topographischen
Verteilung, Vernetzung und Struktur,
im zeitlichen Längsschnitt dagegen als ein langwelliger, sich
langsam wandelnder, transsubjektiver, gleichwohl hergestellter, darum
immer
neu interpretierbarer und entzifferbarer Bedeutungszusammenhang
aufgefasst wird.
Sprache,
Medien, Metaphern,
Symbolisierungen aller Art, selbst Institutionen
werden als unterschiedliche,
konfligierende wie systematisch ausdifferenzierte,
machtgestützte wie subversive Codierungen ausgelegt,
die konstitutiv für die gesellschaftlichen Wirklichkeiten seien.
Hiernach
ist Kulturwissenschaft
keine Handlungswissenschaft,
sondern ein interpretatives, bedeutungsgenerierendes Verfahren,
das sozial signifikante Wahrnehmungs-, Symbolisierungs- und
Kognitionsstile
in ihrer lebensweltlichen Wirksamkeit analysiert.
Die
Medien
- Schrift und Bild, Theater, Buchdruck und Photographie, Film,
Grammophon
und elektronische Datensysteme (Friedrich Kittler, Derrick de
Kerckhove)
-
erweisen sich dabei als zentral, da sie die kulturelle Semantik
von Gesellschaften sowohl erzeugen wie distribuieren.
In diesem Kontext wurden Roland Barthes und Umberto Eco für die Literaturwissenschaften zu einem Modellfall, insofern sie, ohne den Boden der Künste und der Literaturen zu verlassen, die semiotischen Systeme der westeuropäischen Lebenswelten (auch im Vergleich mit außereuropäischen Systemen) als Bausteine und Elemente der Kultur zum Thema gemacht haben.
Kultur erscheint als ein im Prinzip unabschließbarer Prozeß der Signifikation, der Zirkulation und auch Subversion von Bedeutungen.