3 [Titel] Hiob:

Bibel/Bibelbuch "Hiob":
Roth übernimmt den Titel des Buchs der Hebräischen Bibel, das auf alten nichtjüdischen Erzähltraditionen aufbaut, in der vorliegenden Gestalt im Bereich des nachexilischen Judentums zwischen dem 5. und 3. Jh.. v.d. Zeitrechn. entstanden ist und sich wie kaum ein anderes Buch der Bibel auf ein Problem konzentriert, auf das Problem des ungerechten, unaushaltbaren menschlichen Leidens und der sich daran anschließenden, im Rahmen der vorexilisch-traditionellen Religion und Moral unbeantwortbaren Sinnfrage (s. Jürgen Ebach, Art. "Hiob/ Hiobbuch" in: Theologische Realenzyklopädie Bd. XV, Berlin/New York 1986, S. 360 ff.).

Biographie:
Bereits in der jüdischen Grundschule, die Roth 1901-1905 in seiner Heimatstadt Brody besucht hat, hat er, auf der Basis des Deutschen als Unterrichtssprache, "die Grammatik der hebräischen Sprache durchgenommen und darauf den ganzen Pentateuch, d.h. die fünf Bücher Moses [...] ins Deutsche übersetzt". Auch später im Gymnasium in Brody, im jüdischen Religionsunterricht, übersetzt Roth regelmäßig aus dem Hebräischen ins Deutsche (Bronsen 64 f. u. 74). Hinzu kommen über die Jugendjahre hinweg die wöchentlichen, mit dem Schulleben verbundenen Synagogenbesuche. Insgesamt kann bei Roth eine äußerst genaue Bibelkenntnis aufgrund alltäglicher Vertrautheit vorausgesetzt werden. Dazu gehört auch die selbstverständliche Kenntnis der zum kanonischen deutschen Bildungsgut gehörenden Luther-Bibelübersetzung.

Die mythische Gestalt Hiob:
Roth sieht die biblisch-mythische Gestalt Hiob zwar auch als einen "frommen" und "rechtschaffenen" Menschen (vgl. 7,6 [= zweite Textzeile] mit Hiob 1,1), aber sowohl in seiner "Frömmigkeit" als auch in den äußeren Umständen seines Lebens stellt der "einfache" ostjüdische Tora-Lehrer Mendel Singer das Gegenteil des biblischen Hiob dar, von dem es sowohl hinsichtlich seiner Frömmigkeit als auch hinsichtlich seines Reichtums, in doppeltem Superlativ, heißt, "seinesgleichen [sei] nicht auf Erden" (Hiob 1,8) und er übertreffe "alle, die im Osten wohnten" (Hiob 1,3). Indem Roth die biblische Motivik übernimmt, polt er sie um (s.u., pass.)


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