7,13-23 ein Vollbart von einem gewöhnlichen Schwarz usw.:
Einen (Voll-)Bart zu tragen, war für jeden Ostjuden eine religiöse Pflicht, "wie überhaupt das rasierte Gesicht das deutliche Merkmal für den Abfall vom Glauben darstellt. Der rasierte Jude trägt nicht mehr das Kennzeichen seines Volkes." (JR in: Juden auf Wanderschaft, KiWi81,24)
 
Das Bild, das Roth von Aussehen und Kleidung Mendels entwirft, soll offensichtlich in allen Einzelheiten dessen "Gewöhnlichkeit" im Rahmen des Ostjudentums charakterisieren. Die im Roman leitmotivisch verwendete Farbe "schwarz" kommt hier gleich dreimal vor, in unterschiedlicher 'Tönung' (7,14/17 - 7,16). Vgl. die Beschreibung des Aussehens und der Kleidung des veränderten Mendel 177,26ff.

7,17 Auf dem Kopf saß eine Mütze aus schwarzem Seidenrips:
jidd. Jarmulka, hebr. Kippa. Wie 178,5 zeigt, gehört zu Mendels Mütze ein "Schirm", s. Abbildung.
Für Frauen und Männer ist im Schtetl das Tragen einer Kopfbedeckung verbindlich. "Allgemein wird die Kopfbedeckung damit begründet, daß es verboten sei, den Gottesnamen barhäuptig auszusprechen." (NLJ 271) Nach einer anderen Begründung würde sich der Mensch ohne Kopfbedeckung der unmittelbaren Wirkung des Glanzes der göttlichen 'Schechina' (der Gegenwart Gottes in der Welt) aussetzen (vgl. NLdJ 410). - S. zu 157,28f. und 215,15-24.

7,20 Kaftan:
langer mantelartiger, eng geknöpfter und schwarzer Rock der osteuropäischen Juden, urspr. wohl aus der Türkei stammend