Vor vielen Jahren lebte in
Zuchnow ein Mann namens Mendel
Singer. Er war fromm,
gottesfürchtig und
gewöhblich, ein ganz alltäglicher Jude. Er übte den
schlichten
Beruf eines Lehrers aus. In
seinem Haus, das nur aus einer
geräumigen
Küche bestand, vermittelte er Kindern die Kenntnis der Bibel. Er
lehrte
mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehenerregenden Erfolg. Hunderttausende
vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.
Unbedeutend wie sein Wesen war sein
blasses Gesicht. Ein Vollbart
von einem gewöhnlichen Schwarz umrahmte es ganz. Den
Mund
verdeckte der Bart. Die Augen waren groß, schwarz, träge und
halbverhüllt von schweren Lidern. Auf dem Kopf saß eine Mütze
aus schwarzem Seidenrips, einem
Stoff, aus dem manchmal unmoderne
und
billige Krawatten gemacht werden. Der Körper steckte im halblangen
landesüblichen jüdischen
Kaftan,
dessen Schöße flatterten, wenn Mendel Singer durch die Gasse
eilte, und die mit hartem regelmäßigen Flügelschlag an
die Schäfte der hohen Lederstiefel pochten.
Singer schien wenig Zeit zu haben
und lauter
dringendeZiele.
Gewiß
war sein
Leben ständig schwer und
zuweilen
sogar eine Plage. Eine
Frau und drei Kinder mußte er
kleiden
und nähren. (Mit einem vierten ging sie schwanger.) Gott
hatte seinen Lenden Fruchtbarkeit verliehen, seinem Herzen Gleichmut
und seinen Händen Armut. Sie