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Dieter Schrey



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"Vorüberlegungen zu einem künftigen Stellenkommentar..."

 

Die ersten 10 Links zu einem künftigen Stellenkommentar

Joseph Roth

Hiob
Roman eines einfachen Mannes


© 1974, 1982 by Verlag Allert de Lange, Amsterdam und Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
KiWi Taschenbuch 6

Seite 5:

ERSTER TEIL

Seite 7:

I

Vor vielen Jahren lebte in Zuchnow ein Mann namens Mendel Singer. Er war fromm, gottesfürchtig und gewöhblich, ein ganz alltäglicher Jude. Er übte den schlichten Beruf eines Lehrers aus. In seinem Haus, das nur aus einer geräumigen Küche bestand, vermittelte er Kindern die Kenntnis der Bibel. Er lehrte mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehenerregenden Erfolg. Hunderttausende vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.
Unbedeutend wie sein Wesen war sein blasses Gesicht. Ein Vollbart von einem gewöhnlichen Schwarz umrahmte es ganz. Den Mund verdeckte der Bart. Die Augen waren groß, schwarz, träge und halbverhüllt von schweren Lidern. Auf dem Kopf saß eine Mütze aus schwarzem Seidenrips, einem Stoff, aus dem manchmal unmoderne und billige Krawatten gemacht werden. Der Körper steckte im halblangen landesüblichen jüdischen Kaftan, dessen Schöße flatterten, wenn Mendel Singer durch die Gasse eilte, und die mit hartem regelmäßigen Flügelschlag an die Schäfte der hohen Lederstiefel pochten.
Singer schien wenig Zeit zu haben und lauter dringendeZiele. Gewiß war sein Leben ständig schwer und zuweilen sogar eine Plage. Eine Frau und drei Kinder mußte er kleiden und nähren. (Mit einem vierten ging sie schwanger.) Gott hatte seinen Lenden Fruchtbarkeit verliehen, seinem Herzen Gleichmut und seinen Händen Armut. Sie


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Die Seitenangaben beziehen sich auf das Taschenbuch KiWi 6. Die Quellenangaben zu den Bildern finden sich jeweils im Seitenquelltext.