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"...meine Welten sind gestorben..."
"Alt bin ich geworden,
ein paar Welten habe ich zugrunde gehn sehn,
endlich bin ich klug geworden."
(Mendel Singer in "Hiob",
19301)
"Wir sind die Söhne. Wir haben
die Relativität der Nomenklatur und selbst die der Dinge
erlebt.
In einer einzigen Minute, die uns vom Tode trennte,
brachen wir mit der ganzen Tradition, mit der Sprache, der
Wissenschaft, der Literatur, der Kunst: mit dem ganzen
Kulturbewusstsein.
In einer einzigen Minute wussten wir mehr von der
Wahrheit als alle Wahrheitssucher der Welt.
Wir sind die auferstandenen Toten.
Wir kommen, mit der ganzen Weisheit des Jenseits
beladen, wieder herab zu den ahnungslosen Irdischen. Wir haben die
Skepsis der metaphysischen Weisheit."
(In: "Die weißen Städte",
19252 )
1. Galizien - Wien oder Wolhynien
- New York
Joseph Roth hat einen
Roman begonnen, der das Schicksal eines galizischen Wasserträgers
im europäischen Westen, in Wien, hätte darstellen sollen; ein
ausführliches Fragment liegt vor3. Dem Wasserträger Mendel, der nicht einmal gelernt
hat, Geschäfte zu betreiben, zu "handeln", geht es im Westen
genauso schlecht wie im Osten, nur auf andere Weise. Trotz der
"staatlichen Unterstützung für Flüchtlinge aus dem Osten"4 und der Möglichkeit, bei
seinem bereits früher aus Galizien nach Wien emigrierten Sohn,
einem Drechsler, zu leben, bleibt er arm. Er erhält "Essen in der
Armenküche"5. Der
Sohn lebt selber mit seiner Familie in äußerst
bedrängten Verhältnissen. Kurz vor dem Ende des Fragments
bekommt Mendel die Nachricht, dass seinen Sohn im Weltkrieg eine
Granate getroffen hat, so dass ihm ein Bein amputiert werden muss.
Mendel - ohnehin "nicht fest in den Lehren des Judentums"6- ist nun "überzeugt von
der Nutzlosigkeit aller Gebete"7.
Das Fragment endet mit dem Vorhaben Mendels, auf sich allein gestellt
"auf die Tour zu gehn", also doch zu handeln, zwar ausgestattet mit
einem geliehenen "kleinen Betriebskapital, gegen angemessene Zinsen",
jedoch ohne Aussicht auf irgendeinen Erfolg.
In seinem Bericht "Der Ostjude im
Westen"8 verallgemeinert
Joseph Roth die Erfahrung des galizisch-jüdischen
Wasserträgers Mendel in Wien:
"Der Ostjude weiß in seiner
Heimat nichts von der sozialen Ungerechtigkeit des Westens; nichts von
der Herrschaft des Vorurteils, das die Wege, Handlungen, Sitten und
Weltanschauungen des durchschnittlichen Westeuropäers beherrscht;
nichts von der Enge des westlichen Horizonts, den Kraftanlagen
umsäumen und Fabrikschornsteine durchzacken; nichts von dem Hass,
der bereits so stark ist, dass man ihn als daseinserhaltendes (aber
lebentötendes) Mittel sorgfältig hütet, wie ein ewiges
Feuer, an dem sich der Egoismus jedes Menschen und jedes Landes
wärmt."
Wo der Ostjude "Freiheit, die
Möglichkeit, zu arbeiten und seine Talente zu entfalten,
Gerechtigkeit und autonome Herrschaft des Geistes" erwartet,
bietet "der Westen" mit seiner gleißenden Warenwelt nur
"eine lügnerische Toilette"9 Sicherlich, "in Westeuropa gibt es einen
gesetzlichen Schutz vor Pogromen", und manche Juden aus dem Osten sind
im Westen auch reich geworden10, aber die meisten finden lediglich "ein anderes, ein
bisschen reformiertes, aber nicht weniger grausames Getto"11.
Warum hat Joseph Roth für seinen
Roman, der das Schicksal eines Ostjuden im Westen behandelt, die
Handlung dann von Galizien nach Wolhynien und von Wien nach New York
verlegt? Warum lässt er Mendel Singer und seine Familie den Weg
von Russland nach Amerika gehen? Der Weg von Galizien nach Wien
hätte dem eigenen Weg des Autors entsprochen - diese
Parallelität wurde durch die Änderung vermieden. Galizien und
Wien als Orte der Handlung hätten außerdem bedeutet, dass
der Roman in beiden Teilen, trotz des wesentlichen Handlungselements
"Emigration in den Westen", im Bereich der gleichen "Welt", der
Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie, gespielt hätte -
einer "Welt", die bis 1918 nach Roths Auffassung durch das "durchaus
natürliche Gesetz eines starken Geistes", den "Geist der alten
Monarchie", zusammengehalten werden konnte und in der Lage war, "das
Entlegene nahezubringen, das Fremde verwandt werden zu lassen und das
scheinbar Auseinanderstrebende zu einigen", so dass "sogar
Landschaften, Äcker, Nationen, Rassen, Hütten und
Kaffeehäuser verschiedenster Art und verschiedenster Abkunft"
zusammengehörten und "ich in Zlotogrod ebenso zu Hause war wie in
Sipolje, wie in Wien"12.
In den 30er Jahren wird Roth diese "Welt" in den Mittelpunkt u.a. der
Romane "Radetzkymarsch" und "Die Kapuzinergruft" stellen. Im
"Hiob"-Roman kommt die Funktion einer plural-integrativen Welt, die als
solche Internationalität und Heimatlichkeit zu bieten vermag, der
Lebenswelt des Schtetl zu. Die Verlegung der Handlung von Galizien nach
Wolhynien, also ins zaristische Russland, und von Wien nach Amerika
bringt dagegen zwei "Welten" ins Spiel, die zu Beginn des 20.
Jahrhunderts kaum entgegengesetzter gedacht werden können. Noch
ist Russland das Land "des Gutsbesitzers, der privilegierten
Nagaikaschwinger, dieses grotesken Sklavenhaltersystems, der
'patriarchalischen' Prügelmeister" - das Land, von dessen
"Ausrottung" durch die Revolution Roth 1926 als Journalist berichtet13. Und "Amerika ist die Ferne.
Amerika heißt die Freiheit"14; Amerika bedeutet aber auch - wichtig für die
Juden, "das militärfeindlichste Volk der Welt" - die
Möglichkeit, vom Militär- bzw. Kriegsdienst verschont zu
bleiben, und natürlich die Möglichkeit, nun doch, anders als
in der sozialen Unsicherheit Westeuropas, aus ärmlichsten
Verhältnissen heraus reich zu werden - "zumindest wohlhabende
Kaufleute"15. Insgesamt
ist die mit dem Weg von Zuchnow nach New York verbundene Hoffnung
wesentlich größer und auch berechtigter als die an die Reise
vom Rand ins Zentrum des Habsburgerreiches knüpfbare Hoffnung:
"Alle aber sagen ihm [Mendel], dass Amerika ein herrliches Land ist.
Ein Jude kann sich nichts Besseres wünschen, als nach Amerika zu
gelangen." (H 107)16
Allerdings wird auch die "Fallhöhe" für "Hiobs" Schicksal
durch den Weg von Russland nach Amerika größer, denn
während für die Juden in Osteuropa "Amerika" das höchste
Glück bedeutet, ist "Amerika" für den Autor selber der
Inbegriff der - seiner Meinung nach - letztlich tödlichen
technisch-industriell dominierten Zivilisation des 20. Jahrhunderts
(s.u.) - und das lässt er seinen Protagonisten in Amerika
spüren.
2. Heimkehr auf ein "großes
Schlachtfeld"
Dadurch, dass Roth den
"einfachen" Ostjuden Mendel im ersten Teil des Romans "Russland" und im
zweiten Teil "Amerika" erleben lässt, schafft er sich die
Möglichkeit, die beiden "Welten" ins Spiel zu bringen, um die sich
in den 20er Jahren in Europa, besonders ausgeprägt in Deutschland
und da vor allem in Berlin, die politische, aber auch die
kulturtheoretische Diskussion drehte17. "Im Grund ist, was sich in unserer Gegenwart begibt,
ein Wettkampf zweier Weltanschauungen. [...] In dem Kampf um die
Zukunft des Menschengeschlechts ist es notwendig, keinen der beiden
Pole aus dem Auge zu verlieren. Beide werden den Gang der Kultur
bestimmen, beide Strömungen, deren Wirken heute die Fugen des
Weltenbaus erschüttert: Moskau und Amerika."18 Joseph Roth sieht seine Gegenwart - dramatischer - als
eine Zwischenkriegszeit, die selber eine Zeit des "Kriegs" ist: In
Deutschland jedenfalls "ist Krieg", schreibt er 1925 im Vorwort zu den
Reiseberichten aus Südfrankreich19, "wir wissen es, wir, die beeideten
Sachverständigen der Schlachtfelder, wir haben sofort erkannt,
dass wir aus einem kleinen Schlachtfeld in ein großes [ ! ]
heimgekehrt sind". Hier "erleben wir stündlich die kleinen
Kämpfe und die großen Kriege zwischen Vergangenheit und
Zukunft, den klassischen, katholischen, europäischen
Einflüssen des Westens ebenso ausgeliefert wie den
revolutionären des Ostens und den kapitalistischen Amerikas. Das
wird mehr als ein Dreißigjähriger Krieg sein."20 Diese Situation besteht seit
dem "Weltuntergang", der sich 1918 abgespielt hat und den Roth "am
eigenen Leib erfahren" hat21:
"Ehe ich zu leben angefangen hatte, stand mir die ganze Welt offen.
Aber als ich zu leben anfing, war die offene Welt verwüstet. Ich
selbst vernichtete sie mit Altersgenossen. [...] Nur wir, nur unsere
Generation, erlebte das Erdbeben, nachdem sie mit der
vollständigen Sicherheit der Erde seit der Geburt gerechnet hatte."22
Seither stimmen die alten "Fahrpläne"
nicht mehr, und "die Begriffe, die wir kennen, decken nicht mehr die
Dinge". Da der "Untergang" der alten, der alteuropäischen Welt
nicht gleichzeitig zum Aufgang einer "neuen Welt" geführt hat,
befindet sich Europa in einem Zwischenzustand, in dem sich die
Doppelfrage allgemein stellt, die Roth in seinem Aufsatz "Russland geht
nach Amerika" speziell für Russland formuliert: "Woher also die
geistigen Grundlagen für eine neue Welt nehmen? Was bleibt
übrig?"23
Als neue kulturelle Systeme, von denen
"geistige Grundlagen" erwartet werden, sind offensichtlich die beiden
polaren "Welten" des Kapitalismus und des Kommunismus, "Amerika" und
"(Sowjet-)Russland", "Amerikanismus" und "Bolschewismus" auf den Plan
getreten. Roth steht hier zunächst einmal eindeutig auf der Seite
des neuen Sowjetstaates: Der Kommunismus hat Befreiung von schlimmster
Unterdrückung gebracht und verhilft den russischen Bauern, auch
den Juden24, zu ihren
Menschenrechten. Das hat Roth in Russland beobachtet und in den
Berichten "Reise in Russland" (1926/1927) und "Juden auf Wanderschaft"
(1927) für die deutschen Leser beschrieben. Aber hat das neue
politische System "geistige Grundlagen für eine neue Welt"
geschaffen? Das ist die Frage, die ihn besonders interessiert. Die
Antwort ist ernüchternd:
"Die Stagnation europäischen
geistigen Lebens, die Brutalität politischer Reaktion, die
korrupte Atmosphäre, in der das Geld gemacht und ausgegeben wird,
die Hypokrisie der Offiziellen, der falsche Glanz der Autoritäten,
die Tyrannei der Anciennität: Das zwingt die Freien und die
Jungen, von Russland mehr zu erwarten, als die Revolution geben kann."
"Wer in den Ländern der westlichen Welt den Blick nach dem Osten
erhebt, um den roten Feuerschein einer geistigen Revolution zu
betrachten, der muss sich schon die Mühe nehmen, ihn selbst an den
Horizont zu malen."25
Denn sachlich ist festzustellen:
"Auf materiellen, politischen und
sozialen Gebieten war sie [die Russische Revolution] eine Revolution.
Auf geistigem und geistig-moralischem war sie nur quantitativ
gewaltiger Fortschritt. Wenn bei uns [in Westeuropa] eine alte und, wie
man sagt: müde Kultur durch Girls, Faschismus, flache Romantik
pathologisch banal wird, so wird hier [in der Sowjetunion der 20er
Jahre] eine eben erst geweckte, brutal kräftige Welt gesund banal.
Unserer dekadenten Banalität steht gegenüber die
neurussische, frische, rotbackige Banalität."26
3. Die Amerikanisierung Russlands
Roth ist der
Auffassung, dass der Sozialismus, jedenfalls für die nächsten
Jahrzehnte, seinen ursprünglichen Charakter verloren hat, und zwar
ausgerechnet durch den negativen Einfluss des anderen politischen
Systems, von dem die Grundlegung einer "neuen Welt" erwartet wird -
durch den Einfluss "Amerikas". In mehreren Reportagen , z.B. in den
Texten "Russland geht nach Amerika" und "Die Stadt geht ins Dorf"27, legt Roth dar, dass in der
Sowjetunion der 20er Jahre der in sich "widersprüchliche" Vorgang
abläuft, dass "die Revolution [...] gewissermaßssen im Namen
des Sozialismus 'kapitalistische Kultur' verbreiten [muss]"28, anders gesagt: dass
ausgerechnet "die Theorie, die das Proletariat befreien soll, die die
Klassenlosigkeit des Staates, der Menschheit zum Ziele hat, [...] wo
sie zum erstenmal angewendet wird, aus allen Menschen kleine
Bürger [macht]"29.
Für Joseph Roth liegt der Grund für die innere
Widersprüchlichkeit des Entwicklungsprozesses in der Sowjetunion
nicht in der Idee des Sozialismus selbst, sondern in der Notwendigkeit,
in der besonderen Situation Russlands zwei Aufgaben gleichzeitig zu
lösen, auf der einen Seite "auf materiellen, politischen und
sozialen Gebieten"30 die
"Proletarisierung" und "sozialistische Revolutionierung" des Bauern und
"auf geistigem Gebiet" eine fundamentale "Urbanisierung des Menschen"
zu betreiben31, auf der
anderen Seite aber "gleichzeitig" eine frühere, im Westen bereits
realisierte Stufe der historischen Entwicklung nachzuholen,
nämlich "auf materiellen Gebieten" die "Mechanisierung des
Betriebs" und die "Industrialisierung des Feldes" zu erreichen. Diese
technische und wirtschaftliche Entwicklung aber zieht nach Roths
Meinung Konsequenzen "auf geistigem und geistig-moralischem Gebiet"
nach sich, die den ursprünglichen revolutionären Ansatz
verbiegen, und zwar aus mehreren Gründen:
- Der Sozialismus hat keine eigenen
"geistigen Grundlagen für eine neue Welt" geschaffen, obwohl sein
"Prinzip" "in Wirklichkeit ein religiöses ist, weil es an die
Güte im Menschen glaubt; ein christliches, weil es ihn
erlösen will"32.
Aber solche "metaphysischen" Hintergründe lehnt der Sozialismus
ab, und diese fehlende Offenheit für "Metaphysisches" macht ihn
nach Roths Ansicht unfähig zu einer wirkungsvollen
"Veränderung der Welt". So ergibt sich die doppelte Frage: "Woher
also geistige Grundlagen für eine neue Welt nehmen? Was bleibt
übrig?"33
- "Übriggeblieben" sein könnten
"die großen Kulturleistungen Europas" - doch "sie alle sind
[für die Sowjetmenschen der 20er Jahre] bürgerlich"34 - oder "die alten
Kulturleistungen Russlands: der Mystizismus, die religiöse Kunst,
die Poesie, die Slawophilie, die Romantik des Bauerntums, die
gesellschaftliche Kultur des Hofes, Turgenjew und Dostojewski" - doch
"sie alle sind selbstverständlich reaktionär"35, man hat sie in der
Revolution zusammen mit den gesellschaftlichen Schichten, die ihre
Träger waren, beseitigt.
- "Übriggeblieben" sein könnte
auch das Russland des "Dorfes", der alten bäuerlichen Kultur, die
sowohl im "Hiob"-Roman als auch in Roths Reportagen aus der Sowjetunion
einen hohen Stellenwert hat:
"Ich kannte die ukrainischen
Dörfer aus dem Krieg. Ich sah sie jetzt, nach acht Jahren, wieder.
Immer noch liegen sie da wie Kindheitsträume der Welt. Krieg,
Hunger, Revolution, Bürgerkrieg, Typhus, Hinrichtungen, Feuer: Sie
haben alles überstanden. Im nordfranzösischen Kriegsgebiet
riechen heute noch die Bäume nach Brand. Wie stark ist die
russische Erde!"36
Nach genau diesem Russland, dieser
russischen Erde sehnt sich Mendel Singer in Amerika vor dem Schluss des
Romans (H 187):
"Ihre Bäume duften nach Wasser,
Harz und Wind, der Geburtenüberschuss in den Dörfern ist noch
größer als der - beträchtliche - in den Städten,
Brot blüht aus dem Moder der Toten [ ! ], wie früher
läuten die Glocken Neugeborene und Bräute ein."37
Ein Russland der unerschöpflichen
Lebensfülle, in dem sogar aus dem Tod neues Leben entsteht! Mit
einem dreimaligen "Immer-noch" betont Roth die ungebrochene
"Dauerhaftigkeit" und "Wärme" des heimatlich geborgenen Wohnens.
Mit seiner "Unmittelbarkeit", "Kraft" und "Originalität" scheint
der "Mensch vom Lande" sogar in der Lage zu sein, sich der neuen
Verbürgerlichungs- und Verflachungstendenzen zu erwehren.38 Aber die historische Tendenz
ist dennoch stärker: Im Zuge der Technisierung hat der Traktor den
Bauern auch in der Weise "emanzipiert", dass er ihn zum "Landwirt"
gemacht39 und ihn damit
"von der 'Scholle'", von seinem eigentlichen Lebenselement, von seiner
ursprünglichen seelischen und geistigen Identität getrennt
hat. Die "Technisierung" führt zur "Urbanisierung" des Landes -
und damit in den 20er Jahren unvermeidlich zur "Amerikanisierung".
Insgesamt ist auf diese Weise - nach Roths
Auffassung - ein seelisch-geistiges Vakuum entstanden, und man war in
Russland nach dem ersten revolutionären Schub, nach dem
Erlöschen der "Brandfackeln der Revolution"40, nicht in der Lage, der brutal eindringenden
amerikanischen "Seelenlosigkeit" Widerstand entgegenzusetzen, obwohl
man doch eigentlich "Amerika" verachtet, "den seelenlosen großen
Kapitalismus, das Land, in dem Gold Gott ist"41. In "einer unbewussten Anpassung an das geistige
Amerika" hat man zusammen mit dem materiellen "Fortschritt, dem
elektrischen Bügeleisen, der Hygiene und der Wasserleitung" auch
"das geistige Amerika übernommen. Und das ist die geistige Leere."42 Dieser neuen Form der
Bürgerlichkeit, der "frischen, ahnungslosen,
gymnastisch-hygienischen rationalen Geistigkeit Amerikas", fehlt zwar
in Russland das in Amerika selbstverständliche "metaphysische"
Element, "die Hypokrisie [Heuchelei] der protestantischen Sektiererei",
aber an deren Stelle ist die "Scheuklappenfrömmigkeit des strengen
Kommunismus"43 getreten.
Zwischenfazit: Joseph Roth ist nach
Russland gegangen, weil er selber auf der Suche nach "geistigen
Grundlagen für eine neue Welt" in Europa ist, und hat dort
denselben Amerikanismus gefunden wie im Westen. Mag Westeuropas
"politische und soziale Physiognomie" noch so "schauderhaft" sein -
Roth findet "die geistige Physiognomie Europas [immer noch]
interessanter"44.
Was
"Amerika" ist, hat Joseph Roth, der die USA nie besucht hat, dort
erfahren, wo sich in seiner Gegenwart "Amerikanisierung" abgespielt
hat, wo "Amerika" so "über"die Menschen ganzer Städte oder
Länder, einer in Jahrhundertengewachsenen Kultur "gekommen", so
"über sie hergefallen" ist (H106), wie es Mendel und
Deborah Singer in ihrem Einzelschicksal geschieht - da also, wo ganze
Städte oder Länder "nach Amerika gegangen" sind. Das ist in
den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg eigentlich in
allenwesteuropäischen Ländern geschehen, besonders deutlich
im Deutschland der Weimarer Republik45.
Roth hat diesen Prozess der
"Amerikanisierung" z.B. auch in Parisbeobachtet und mit beißender
Ironie beschrieben 46,auf
exemplarische Weise aber und aus der Außen-Perspektive des
scharfbeobachtenden Journalisten während seiner Russland-Reise.
4. Amerikanismus - Religion des
Goldes und der Maschine
Aber was ist es, was
"Amerika"so schauderhaft, so "seelenlos" und "geistig leer" erscheinen
lässt, wie es bei Roth im "Hiob" wie im journalistischen Werk der
Fall ist?
Letztlich wohl die amerikanische"Gold =
Gott"-Ideologie bzw. die moralisch-emotionale antikapitalistische
Einstellung des Autors. Mitentscheidend ist aber noch ein anderer
Faktor,der z.B. im Russischen Tagebuch deutlich wird, wo Roth notiert:
"Der Amerikanismus,Religion der Maschinen."47 So machen auch in der Reihe der "zivilisatorischen
Leistungen", die als "Werk des Kapitalismus" nun in der Sowjetunion
nachgeholt werden müssen - "Elektrizität und Demokratie,
Radio und Hygiene, Alphabet und Traktor, die ordentliche
Gerichtsbarkeit, Zeitung und Kino" - für Roth offensichtlichdie
"Traktoren! Traktoren! Traktoren!"48,die "Musik der Maschine"49,und die ihnen zugrundeliegenden geistigen Prinzipien
das entscheidende Moment aus. Zwar sieht er sich, z.B. in der
berühmt gewordenen Reportage aus einem Neunkirchener
Hüttenwerk, in einer Position, die weit entfernt ist von der
"Zeit, in der die Maschine nur erst als ein brutaler,
menschenverzehrender Mechanismus erschien", und distanziert sich "von
den überlieferten Vorstellungen: [die Menschen der Gegenwart
seien] 'Sklaven der Maschine'", aber er tut dies mit der
Begründung, nun sei "eine Zeit" angebrochen, "in der das
Mechanische sich dem Organischen anzunähern beginnt,
dieSymbolkraft des 'sausenden Rads' schwächer und eine Art
Nervensystemder Maschine erkennbar wird" bzw. "das Menschliche im
Mechanischen" hervortritt.50
Roth orientiert sich hier wohl an solchen kulturellen
Zeitphänomenen51wie
dem von Amerika her über Europa "herfallenden" Film, der in den
20er Jahren das "Nervensystem" des Massenpublikums in Bewegung
versetzte, oder dem Jazz, der als "Maschinenmusik" empfunden wurde, als
"Abbild der Zeit: Chaos, Maschine, Lärm, höchste Steigerung
der Extensität"52,
und nicht zuletzt an den großen Revuen, die das Interesse des
Massenpublikumsfanden und in denen die "Girls" als
"Bewegungsmaschinen", ihre Tänze als "Rhythmus der
Großstadt" erlebt wurden53."Den Beinen der Tiller-Girls [einer der damals
bekanntesten Revue-Truppe] entsprechen die Hände in der Fabrik."54
Daran denkt wohl auch Joseph Roth, wenn er
vom "Menschlichen im Mechanischen", vom "Nervensystem der Maschine"
spricht. Dieses "Menschliche", "Organische" in der Maschine ist
allerdings nichts Naturgegebenes, sondern "das komplizierte Produkt des
menschlichen Geistes, von dem allein es abhängt, ob der
Mechanismus ein Freund oder ein Feind des Menschen werde". Da mag dann
z.B die Bewegungder "fünf, sechs langsam hin- und
zurückschwebenden großen Kräne" im Neunkirchner
Hüttenwerk die "Würde", "die 'Weihe der Arbeit'"
"symbolisieren"55, aber
der wahre Charakter des "Mechanismus", der die Abläufe in dem
Hüttenwerk bestimmt, und damit des "Geistes", der den
"Mechanismus"regiert, wird dem Autor auf dem großen
Werksgelände deutlich:
"Ich weiß nicht,ob es in allen
Werken so ist. Hier jedenfalls geht ein Wind wie durch Ruinen. Keine
Wände, ihn zu lindern. Der Boden: Schutt, Geröll und
Asche.Hellgrauer, zäher Schlamm. [...] Das Tageslicht, obwohl
Wände nicht seinen Einbruch hindern, bekommt hier eine ungewohnte
Schattierung. Es wird braun und grau. Es saugt Eisensplitterchen und
Rauchmoleküle auf wie ein Löschblatt Tinte. [...] Der Raum
ist gleichsam nicht eingefangen,er ist zügellos, sich selbst
überlassen und seiner eigenen brutalen Willkür, sich rohe,
barbarische Formen zu schaffen."56
Auf der einen Seite "brutale"
Menschenleere, auf der anderen brutale Unmenschlichkeit:
"Wenn man zehn Jahrelang jeden Tag vor
diesem Kessel steht [als Arbeiter vor der Bessemer-Birneim
Hüttenwerk], muss das Blut, so denke ich, ein anderes
Tempobekommen haben, es rollt nicht mehr, wie von der Natur vorgesehen,
durch die Adern, den Körper beherrschen andere Temperaturgesetze,
und selbst das Gehirn denkt nach anderen Normen. Ich stelle mir vor,
dass die Gedanken dieses Mannes einen jäheren Flug und eine
kürzere Dauer haben müssen. Derlei hat die Wissenschaft
wahrscheinlich noch nicht ergründet, und es wird infolgedessen von
der sozialen Gesetzgebung auch gar nicht in Betracht gezogen."57
Ist dies "das Menschliche im
Mechanischen"?
So ist zwar "der Besucheines [solchen
Hütten-]Werks nicht trauriger als der eines Spitals zum Beispiel,
eines Waisenhauses oder einer Arbeiterkolonie"58 - aber der ist ja jeweils traurig genug. Der
"menschliche Geist", der die technischen Abläufe in dem
Neunkirchner Hüttenwerk 1927 bestimmt und "von dem allein es
abhängt, ob der Mechanismus ein Freund oder ein Feind des Menschen
werde", ist für Joseph Roth der "Geist" des Kapitals, denn "die
Tendenz der Werkbesitzer ist: Geld zu verdienen, und der Wunsch der
Werkarbeiter: ihr Leben zu fristen"59. In ihrem innersten Wesen ist "die Maschine" "das
Instrument der Gewinstvergrößerung"60, des Profits.
Die Bilder "Wind wie durch Ruinen" und
"Schutt, Geröll und Asche" deuten vielleicht etwas an, was Roth in
der Russland-Reportage "Die Stadt geht ins Dorf" (s.o.) deutlicher zum
Ausdruck bringt, wenn er davon spricht, dass "der Traktor [...]
stärker [ist] als der Mensch - ungefähr wie das Gewehr
stärker ist als der Soldat"61."Die Maschine", die moderne Technik, unterjocht den
Menschen, weil sie"stärker ist als der Mensch"; aber die
Assoziation "Traktor - Gewehr" legt einen härteren Gedanken nahe:
die Maschine ist tödlich. Das mag zunächst im
übertragenen Sinne zu verstehen sein - die Konzentration auf die
"Maschine" tötet das, was traditionellerweise "Geist" genannt wird
-, aber das Erlebnis der schrecklichen Materialschlachten des Ersten
Weltkriegs hat bei Roth, wie vor allem seine politischen
Gedichtezeigen, zu einem Assoziationskomplex geführt, in dem "Gold
und Blut und Ekrasit"62
zusammenfließen."Kapital" und "General" (= "Gold und Blut")
reimen sich für Roth auch in der Wirklichkeit, und zwischen diesen
beiden Instanzen stellt die Produktion von Giftgas-Waffen in der
chemischen und der Rüstungs-Industrie die Verbindung her
("Ekrasit": ein Sprengstoff, der Pikrinsäure enthält). So
kann auch Amerika, das erst spät in den Ersten Weltkrieg eintritt,
zu einem im Krieg "tödlichen Vaterland" werden, wie es im Zweiten
Teil des "Hiob"-Romans dargestellt wird. Sogar die Revue-"Girls", diese
"ohne Zweifel anmutig gebauten" organischen Maschinen, sind für
Roth nichts anderes als "eine Übersetzung des männlichen
ernsten Militärexerzierens ins Weibliche", "ihre Spiele sind
Kompositionen aus Militarismus und Erotik"."Die wachsende
Popularität der 'Girls' in Europa beweist unsere stark
fortgeschrittene Amerikanisierung", schreibt der Autor in seiner
Reportage "Die 'Girls'"63
- und denkt auch hier an den für ihn wohl notwendigen
Zusammmenhang zwischen Technik und Tötung.
Fazit: "Amerika" mit seiner
Konsum-Orientierung hat das geistige Vakuum (scheinbar) gefüllt,
das in Europa durch die kulturelle Entwurzelung entstanden ist.
Anstelle der als solcher empfundenen "geistigen Leere" ist die neue
"geistige Leere" entstanden, die sich für tauglich hält,
"geistige Grundlagenfür eine neue Welt" zu liefern, die in
Wirklichkeit aber mit der "Gold= Gott"-Ideologie eine heuchlerische und
letztlich - geistig wie physisch- tödliche Metaphysik weltweit
wirksam gemacht hat.
So ist es kein Wunder,wenn auch für
Mendel Singer im "Hiob"-Roman Amerika "Krieg" bedeutet und von Anfang
an "tödlich" ist. Zwar ist es "ein heller und heißer Tag",
an dem die Singers in New York ankommen, und sie fahren in einem
"schweren Wagen" durch die Straßen - sanfte, idyllische
Erlebnisse sind nicht zu erwarten. Außerdem wird alles Erlebte
aus der Perspektive des alten Mendel berichtet, der in seiner
Orientierungslosigkeit in der fremden Welt völlig überfordert
ist. Aber ähnliche Überforderungen,z.B. auf dem Schiff bei
der Überfahrt nach Amerika, hat Mendel bisher ohne die in Amerika
auftretenden Vernichtungs-Gefühle überstanden (z.B. H 113,
Ende 8. Kap.), und der Erzähler distanziert sich nirgendwo vom New
Yorker Empfinden seines Protagonisten, sondern widmet sich diesem
über 3 ½ Seiten im Buch mit allen erzählerischen und
sprachlichen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen; Vergleiche
gehen in Metaphern über und Metaphern in Bericht von Realem. Das
heißt: Der Leser darf so empfinden wie Mendel. Und Mendel erlebt (H
116 - 120): "wütende Wucht", "Zertrümmerung für
ewige Zeiten", "Erschütterung der Fundamente", "Hitze wie graues
schmelzendes Blei", "feuchte, klebrige, schmerzliche Glut",
"Verlötung des Gehirns", "im offenen Feuer brennende
Füße", dann optisch (H 117, Z. 18 - 24) und
akustisch (H117 Z. 25 - H 118 Z. 7) in "wahnsinniger Eile" die
mythische 40-jährige Wanderung Israels durch die glühende,
tödliche Wüste, im ebenfalls mythischen "feurigen Atem der
Hölle". Die Geruchs-Eindrücke - "scharf, trocken und
spröde, ranzig und fett, beizend, süßlich, faulig",
insgesamt "vermengt" in einem "heißen Brodem" - geben den
Ausschlag: "Amerika drang auf ihn [Mendel Singer] ein, Amerika zerbrach
ihn, Amerika zerschmetterte ihn." (H 118) "Amerika" ist
tödlich,vom ersten Augenblick an, also wesensmäßig.
5. "Amerika" im "Hiob"-Roman
Zwar scheint der
Beginndes Zweiten Teils des Romans den vernichtenden Charakter
"Amerikas" wiederaufzuheben, ja, sogar in (Fast-)Heimatlichkeit zu
verwandeln, aber es wird doch auch sofort deutlich, dass Mendel, wenn
er an "Amerika" glaubt, nur ein Opfer der amerikanischen "Hypokrisie",
der frommen Heuchelei, wird, die Amerika als "das Land Gottes [...],
wie einmal Palästina", und New York als "die Stadt der Wunder, wie
einmal Jerusalem" (H 123), ausgibt. Während der
Erzähler zu Beginn des Zweiten Teils jedoch noch mit leiser Ironie
über Mendels Illusionen hinweggeht, überzieht er später
- im 11. Kapitel - Mendels vollständig amerikanisierte "Kinder",
ihren naiven Glauben an den American Way of Life, mit beißendem
Spott: In der "geistigen Leere" ihrer bürgerlichen Ideologie
glauben sie, dass "die Armut ein Laster [ist], der Reichtum ein
Verdienst,die Tugend der halbe Erfolg, der Glaube an sich selbst ein
ganzer, der Tanz hygienisch, Rollschuhlaufen eine Pflicht,
Wohltätigkeit eine Kapitalsanlage, Anarchismus ein Verbrechen,
Streikende die Feinde der Menschheit, Aufwiegler Verbündete des
Teufels, moderne Maschinen Segen des Himmels, Edison das
größte Genie" (H 138). Ihre ganze "transzendentale
Obdachlosigkeit", ihre metaphysische "Leere", zeigt sich, wenn z.B.
"der regelmäßige silberne Schatten eines Scheinwerfers",
also einer "Maschine", "verzweifelt am nächtlichen Himmel Gott zu
suchen schien"(H140).
Und das Schicksal von Mendels Sohn
Schemarjah, der in Amerika "Sam" genannt wird, zeigt endgültig:
"Amerika hat uns getötet. Amerika ist [...] ein tödliches
Vaterland. Was bei uns Tag war, ist hier Nacht. Was bei uns Leben war,
ist hier Tod." (H154) Radikaler kann ein Land, kann eine
Kultur nicht abgelehnt werden!
"Russland geht nach Amerika", in der
politischen und sozialen Realität der 20-er Jahre.Und Mendel
Singer geht mit seiner Familie nach Amerika, im "Hiob"-Roman,in den
Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. "Russland" (Sowjetrussland) wie Mendel
Singer lassen - in Joseph Roths Sicht - die russische "Erde" und die
mit ihr verbundene jahrhundertealte Kultur hinter sich, Sowjetrussland,
weil es glaubt, sie historisch überholt zu haben, Mendel Singer,
weil er sie immer abgelehnt hat. Beide erhoffen sich von "Amerika" die
Überwindung von Armut und Not. Beide bringen eine im tiefsten
humane Weltanschauung mit, die aber (fast) nur auf dem Papier steht -
die eine, weil ihr jegliches "Metaphysische" fehlt, die andere, weil
sie umgekehrt keine Verbindungmit der "Erde" hat, so dass die
weltverändernde Kraft fehlt (wie dies, nach Roths Auffassung, bei
der Katholischen Kirche der Fall ist.64)
In dieser Situation wirken die beiden geistlosen "amerikanischen"
Prinzipien "Gold" und "Maschine" tödlich.
6. Der "europäische Gedanke" - ein
"Weltgedanke"?
"Woher also die
geistigen Grundlagen für ein neue Welt ["eine neue Weltordnung"65] nehmen? Was bleibt
übrig?" Bleiben für einen Westeuropäer nicht immer noch
als Alternative übrig "die großen Kulturleistungen Europas,
das klassische Altertum, die römische Kirche, die Renaissance und
der Humanismus, ein großer Teil der Aufklärung und die ganze
christliche Romantik"?66
- Die Antwort heißt "Nein", denn
"wir können nicht glauben, dass irgendwo noch die Kontinuität
des Friedens vorhanden ist und die große und mächtige
Kulturtradition des antiken und mittelalterlichen Europas lebendig"67."In einer einzigen Minute,
die uns vom Tode trennte, brachen wir mit der ganzen Tradition, mit der
Sprache, der Wissenschaft, der Literatur, der Kunst: mit dem ganzen
Kulturbewusstsein." Seither gilt unwiderruflich eine universale
"Relativität der Nomenklatur", der Begrifflichkeit, ja, "der
Dinge" - ihr entspricht der Skeptizismus als einzig noch in Frage
kommende Weltanschauung.68
Aber dieser Skeptizismus ist "die Skepsis
der metaphysischen Weisheit":
"In einer einzigen Minute wussten wir
mehr von der Wahrheit als alle Wahrheitssucher der Welt. Wir sind die
auferstandenen Toten. Wir kommen, mit der ganzen Weisheit des Jenseits
beladen, wieder herab zu den ahnungslosen Irdischen."69 -
Die Antwort heißt "Ja", denn es gibt
in Europa noch ein "glückliches Land" - das Land der "Weißen
Städte", Südfrankreich, wohl insgesamt den Bereich der sog.
mediterranen Kultur -, "in dem man wieder träumen kann und glauben
lernt an die Mächte der Vergangenheit, von denen wir dachten, sie
wären, wie so vieles, ein Irrtum und eine Lüge des Lesebuchs"70. "Als ich dreißig
Jahre alt war, durfte ich endlich die weißen Städte sehen,
die ich als Knabe geträumt hatte."71 Diese doppelt - historisch und biographisch -
rückwärtsgewandte Utopie meint schon 1925 das Erlebnis der
"Heimat, stärker als nur ein Vaterland, weit und bunt, dennoch
vertraut und Heimat", meint "die kaiser- und königliche
Monarchie", wie Roth es dann in dem Roman "Die Kapuzinergruft" seinen
Protagonisten und Ich-Erzähler ausdrücken lässt72. Doch was haben z.B .
Marseille und das k.-u.-k.-galizische Brody, der Ort von Roths
"Kindheit", miteinander zu tun? Beide Orte liegen bzw. lagen "hinterdem
Zaun"73, d.h. jenseits
der "engen Welt" der europäischen, besonders deutschen, Gegenwart
der 20er Jahre, in der alles Individuelle durch allgemeine Begriffe
("Nomenklatur") "unverrückbar fixiert", gefangengesetzt wird, in
der also nur "Typus","Gattung", "Geschlecht", "Nation", "Stamm",
"Rasse" zählen, jeweils nach der "offiziellen Farbenskala". An der
"Welt" "hinter dem Zaun", die er in Südfrankreich wiedergefunden
zu haben glaubt, interessiert den Autor nichts "auf materiellen,
politischen und sozialen Gebieten", sondern ausschließlich die
Geisteshaltung, der Lebensstil, den er mit einem genauen Bild
beschreibt:
- "Die Namen flossen immer weit um die
Dinge, die Kleider waren lose. [...] Hinter dem Zaun gewann ich mich
selbst wieder. Ich gewann die Freiheit, die Hände in den
Hosentaschen74,
eineGarderobemarke an den Hut geheftet, einen zerbrochenen Regenschirm
in der Hand, zwischen Damen und Herren, Straßensängern und
Bettlern zu wandeln. Ich sehe in den Straßen und in der
Gesellschaft genauso aus wie zu Hause. Ja, ich bin draußen zu
Hause. Ich kenne die süße Freiheit, nichts mehr darzustellen
als mich selbst."75
Roths Blick richtet sich weit in die
Zukunft, auf "das Werden einer ganz neuen Kultur". Mag er in der
Gegenwart nur den "Krieg" konkurrierender Nationen, Ideologien und
Kulturen beobachten, mag er bereits spüren, wie die "Lawinen [...]
langsam heranrollen", um Europa zu zerstören - am fernen Horizont
sieht er auch "die neue Kultur, der die Zerstörung vorangeht", er
meint, es lasse sich "wissen, fühlen oder nur ahnen", dass
"die nationalen Streitigkeiten im
Westen [Amerika ist nicht mitgemeint] ein lärmendes Echo von
gestern sind und nur ein Schall von heute; dass im Westen ein
europäischer Gedanke geboren ist, der übermorgen oder sehr
spät und nicht ohne Leid zu einem Weltgedanken reifen wird"76.
Dieses zugleich kosmopolitische und
heimatliche Europa wird den säkularen Umbruchsprozess, der mit dem
Ersten Weltkrieg verbunden gewesen ist und den Roth als "Tod" und
"Auferstehung" miterlebt hat, nicht rückgängig machen wollen,
in ihm wird vielmehr die nun als "geistige Grundlage für eine neue
Welt" etablierte absolute Relativität der Namen und Dinge, der
Nationen und Kulturen gelten. "Wahrheit" wird nicht mehr im
Allgemeinen, sondern im Individuellen bzw. im Pluralen, nicht mehr im
Statischen oder gar Ewigen,sondern in der Veränderbarkeit und der
Wandlung gesucht werden. "Man wandelt sich jeden Augenblick,
drüben, hinter dem Zaun."77 Wenn Roth im Zusammenhang seiner europäischen
Utopie immer wieder einmal konkret wird und vom "Geist der alten
Monarchie", vom "Katholizismus", von jüdischer
Supranationalität spricht, handelt es sich eben nicht um neue alte
Ideologien, also um "Zäune", die das lebendige Leben einengen,
sondern um historische Metaphern für die zukünftige "Welt"
jenseits aller "Zäune". Der Jude, der nirgends zu Hause ist und
deshalb überall zu Hause sein kann (sein könnte: so im
"Hiob"-Roman), der österreichische Offizier, der "in Zlotogrod
ebenso zu Hause war wie in Sipolje, wie in Wien" (im "Radetzkymarsch"
und in der "Kapuzinergruft"), der Graf Chojnicki (in der
"Kapuzinergruft"), der "nicht etwa aus Gläubigkeit" an der
Katholischen Kirche festhält, sondern weil diese die von ihr
aufgestellten "Zäune" als Ritus, als schöne "Form"
versteht,die "lässig" umspielt werden darf78 - sie alle wissen bereits (Mendel Singer erst sehr
spät), "wie es hinter dem Zaun aussieht, der uns umgibt"79, ihre "Kleider waren lose".
Als topographische Metapher fungiert in Joseph Roths journalistischem
Werk oder den Romanen die südfranzösische Landschaft ebenso
wie die unendliche Weite der russischen "Erde". Der russische Bauer
Sameschkin, der dem in der Umzäunung seines traditionellen
Judentums gefangenen Mendel Singer für einen Abend und eine Nacht
zur Lockerheit und zur "Freiheit von Vorurteilen" verhilft (H 93),
die Menschen in den "Weißen Städten", die "nicht alles
wörtlich nehmen"und ihre Mitmenschen so sein lassen, wie diese
sich geben wollen80 -
sie haben schon etwas von dem "Weltgedanken" verstanden, mit dem Europa
nach Roths Meinung schwanger geht.
7. "Schöpferischer
Revolutionär" - "schöpferischer Aristokrat"
Das trifft auch auf
"den lieben Gott" zu, in jener Reportage über den
oberflächlich rationalistischen, "geistlosen" Atheismus in
Sowjetrussland, die sich in ihrem zweiten Teil in einen kleinen
fiktionalen Text verwandelt. Seit 1918 (oder schon länger)
lässt "Gott" die Menschen sein und ist froh, dass man ihn sein
lässt, ihn nicht mehr in Anspruch nimmt für das Gute oder
Böse, das die Menschen jetzt selber zu verantworten haben. Er geht
"jenseits der Zäune" spazieren, ist ein genauer Beobachter,
interessiert sich vor allem für "die kleinen Dinge", liest sie auf
und erzählt gern anderen, was er beobachtet und aufgelesen hat. Es
ist deutlich: er ist ein Journalist, ein "Berichterstatter", ein
Geschichtenerzähler, ein Schriftsteller geworden. Anders gesagt:
Der Schriftsteller besetzt die Position "Gottes", der seine Aufgabe in
der Realisierung einer neuen Einstellung zum menschlichen Leben sieht:
vorhandene "Zäune" zu übergehen, sich und andere nicht
festzulegen, sich immer wieder zu wandeln, aber immer wieder auch den
Boden nicht unter den Füßen zu verlieren, eine bestimmte
"Erde" zu betreten und ernst zu nehmen, sich den Gefahren zustellen,
die von den Todesmächten "Gold und Maschine", Profit- und
Machtgier ausgehen, "Güte" für "die kleinen Dinge"
aufzubringen und gerade darin "die ganze Welt" zu sehen - allem eine
lebendige "Form" zu geben: Eingrenzungen, die keine "Zäune" sind,
"lose Kleider" um die Körper, "Namen, die weit um die Dinge
fließen".
Der Schriftsteller befindet sich dann
ständig in einer Schwellensituation: In Erinnerung an etwas
Bestimmtes, Einzelnes, Nahes, das eine "Form" gefunden hat und dadurch
sowohl "Heimat" geworden ist als auch stellvertretend für "die
ganze Welt" (H 179), für "alles" (H 39) stehen
darf, begibt er sich auf eine neue Reise ins Offene, Weite. Jede neue
Loslösung bedeutet eine neue Katastrophe.
Das ist dann ein poetisches Programm,
für Autor und Publikum:
"Was ich sage, nimmt man nicht
wörtlich. Was ich verschweige, ist gehört worden. Mein Wort
ist noch lange kein Bekenntnis. Meine Lüge noch lange keine
Charakterlosigkeit. Mein Schweigen ist nicht rätselhaft. Jeder
versteht es. Es ist, als zweifelte man an meiner Pünktlichkeit
nicht, obwohl meine Uhr falschgeht."81
"Woher also geistige Grundlagenfür
eine neue Welt nehmen?" Dem Schriftsteller (bzw. Künstler) kommt
eine entscheidende Aufgabe zu, nachdem "der liebe Gott" in seiner
früheren Rolle funktionslos geworden ist und selber als neue
Rolledie des berichterstattenden Schriftstellers gewählt hat, der
in denalltäglichen Betrieb der Welt nicht steuernd eingreifen
kann, sich aber dennoch - "ausländisch gekleidet" - ständig
einmischt. In einer Übergangszeit hat Joseph Roth seine
journalistische und schriftstellerische Tätigkeit wohl im Rahmen
eines sozialistischen Internationalismus verstanden, der als solcher
die "Zäune" der Klassen und Nationen zu beseitigen versucht.
Einerseits die Reise in die "Weißen Städte", andererseits
die Reise nach Sowjetrussland hat ihm gezeigt, dass auch dieser
russische Sozialismus nur einen "Zaun" unter anderen bedeutet und dass
an die Stelle einer bestimmten politischen Festlegung eine letztlich
ästhetisch orientierte Konzeption treten muss, die sich auf die
Idee der "Individualität" stützt, die nicht in der "Masse"
aufgeht82, auf die Idee
des "schöpferischen Menschen", der "ein Revolutionär [ist]
nicht aus Zwang wie der Proletarier, sondern aus freiem Willen oder aus
Berufung" und "immer revolutionär [bleibt]", weil er zur
"natürlichen Aristokratie des Geistes" gehört. Zwar ist er
auf freie Entfaltung seiner selbst angewiesen - "aber die materielle
Freiheit ist nur eine der primärsten Vorbedingungen für seine
Existenz".
"Es gibt keine Gesellschaftsform, die
der natürlichen Aristokratie des Geistes auf die Dauer die
geistige Herrschaft streitig machen könnte. Der schöpferische
Aristokrat braucht keinen Titel und keinen Thron. Aber seine Gesetze
diktiert ihm die Geschichte und nicht die Zensur."
Der Journalist und Schriftsteller Joseph
Roth gibt sich offensichtlich auch nach dem Verlust seines
sozialistischen Selbstverständnisses nicht damit zufrieden, dass
die Entwicklung der modernen Welt in die zwei Hälften des
"geistigen" und des "materiellen" Fortschritts zerfällt, er
beansprucht - als "schöpferischer Aristokrat" - die "geistige
Herrschaft", die sich aus der genauen Beobachtung der "Geschichte", der
kulturellen Tradition wie der geschichtlichen Situation der
Gegenwart,ergibt und wieder in diese Gegenwart zurückführt.
Im "Hiob"-Roman wird ein solcher
"schöpferischer Aristokrat" beschrieben, seine - den "Augen"
ablesbare - Legitimation und seine Wirkung. Mendel Singer - noch nicht
wissend, dass es sich um seinen verloren geglaubten Sohn handelt -
sieht sich die Fotografie des "jungen Genies" Menuchim Kossak an, den
sein Lebensweg aus dem "Zaun" des wolhynischen Schtetl in die Welten
der russischen Stadt, des zaristischen Hofs, westeuropäischer
Konzertsäle und zuletzt in die amerikanische Welt geführt
hat:
"Breit und weiß war die Stirn
unter der Schwärze der Haare, wie ein glatter besonnter Stein. Die
Augen waren groß und hell. Sie blickten Mendel Singer geradeaus
an, er konnte sich nicht mehr von ihnen befreien. Sie machten ihn
fröhlich und leicht, so glaubte Mendel. Ihre Klugheit sah er
leuchten. Alt waren sie und jung zugleich. Alles wussten sie, die Welt
spiegelte sich in ihnen. Es war Mendel Singer, als ob er beim Anblick
dieser Augen selbst jünger würde, ein Jüngling wurde er,
gar nichts wusste er. Alles musste er von diesen Augen erfahren. Er hat
sie schon gesehn, geträumt, als kleiner Junge. Vor Jahren, als er
anfing, die Bibel zu lernen, waren es die Augen der Propheten.
Männer, zu denen Gott selbst gesprochen hat, haben diese Augen.
Alles wissen sie, nichts verraten sie, das Licht ist in ihnen." (H 192
f.)
ANMERKUNGEN
1H 187/161 =
"Hiob" S. 187/161; die hier wie für alle "Hiob"-Zitate benutzte
Ausgabe ist die TB-Ausgabe Joseph Roth, Hiob, Amsterdam/Köln
1974/1982 = KiWi 6 ("Hiob" in: JRW 5 = Joseph Roth Werke, Fünfter
Band: Romane und Erzählungen 1930 - 1936, hrsg. u. mit e. Nachw.
v. Fritz Hackert, Köln 1990, dort S. 117/100)
2 JRW 2 = Joseph Roth
Werke 2: Das journalistische Werk 1924 - 1928, hrsg. v. Klaus
Westermann, Köln 1990, S. 455
3 "Wasserträger
Mendel", jetzt in: Joseph Roth Werke 5 = JRW 5, S. 850 - 870
4 JRW 5, 862
5 863
6 864
7 870
8 JaW1 = Joseph Roth,
Juden auf Wanderschaft, Amsterdam/Köln 1976/1985 ( = KiWi 81), S.
1; ("Juden auf Wanderschaft" in: JRW 2, S. 827 ff.)
9 JaW 11 f.
10 aaO.
11 aaO.
12 Joseph Roth, Die
Kapuzinergruft, KiWi 125, S. 44 f. ("Die Kapuzinergruft" in: JRW
6/199, S. 225 ff.)
13 J. Roth, Die Stadt
geht ins Dorf, JRW 2, 643 ff.
14 JaW 61
15 JaW 62
16H 107
17 Vgl. Werner Link,
Der kulturelle Einfluss Amerikas in Europa, in: Funkkolleg
Jahrhundertwende, Studienbegleitbrief 7, Tübingen 1989, S. 80 ff.
18 Arthur Holitscher,
1929, aaO.
19 J. Roth, "Die
weißen Städte", JRW 2, 451 ff.; hier: 456
20 An dieser Stelle
wurde beim Verfassen des Textes 1990 folgende Fußnote
eingefügt: »Aus der Perspektive des Jahrs 1990: Wenn es
gilt, was mit der "Pariser Charta für ein neues Europa" am
21.11.1990 die KSZE-Staatschefs unterzeichnet haben, dass nämlich
damit endlich "in Europa ein neues Zeitalter der Demokratie, des
Friedens und der Einheit anbricht", dann lässt sich sagen, dass
der von Joseph Roth vorausgesagte "mehr als Dreißigjährige
Krieg", von 1925 an gerechnet, 65 Jahre gedauert hat.« Die
Beurteilung muss 2006 offensichtlich eine andere sein!
21 JRW2, 455
22 451f.
23 631f.
24 "Das ist ein
großes Werk der russischen Revolution", JaW 73 !
25 J. Roth, Russland
geht nach Amerika, JRW2, 629
26 630
27 Reportagen XI und
XIV der "Reise in Russland", in: JRW 2, 629 ff. und 643 ff.
28 644
29 690
30 630
31 645; z.B. durch
Alphabetisierung, s. Mendel Singers Unfähigkeit, russisch zu
schreiben, H 89!
32JRW 2, 1017
33 631f.
34 631
35 aaO.
36 645
37 aaO.
38 "Der trockene Geruch
des Papiers verliert sich im Ozon des Landes" (!), aaO.
39 644
40 629
41 631
42 aaO.
43 632
44 aaO.
45 S. Anm. 17
46 In dem Bericht
"Amerika über Paris"; Roth beschreibt z.B. "einen
fürchterlichen Riesensäugling von kolossaler Gesundheit" als
Reklamefigur über den Dächern von Paris - "der naive und
brutale, sentimantale und eiserne, hundertprozentige und Kinderwagen
schiebende Rekordläufer" - "mehr als eine Reklame, es ist ein
Symbol, es ist Amerika: Amerika über Paris" (JRW 2, 422).
47 JRW 2, 1018
48 631
49 644
50 J. Roth, Das Werk,
veröffentlicht in der von Ernst Glaeser 1929 herausgegebenen
Reportagen-Sammlung "FAZIT. Ein Querschnitt durch die deutsche
Publizistik"; in: JRW 2, 811 ff.
51 S. Anm. 17
52 Paul Stefan, Jazz?,
in: Musikblätter des Anbruch, April 1925, S. 187; zitiert nach:
Weimarer Republik, hsg. v. Kunstamt Kreuzberg, 3. Aufl. 1977, S. 830 53 Fritz Giese,
Girlkultur, München 1925, S. 34, zitiert nach: Weimarer Republik
aaO.
54 Siegfried Kracauer,
Das Ornament der Masse, Frankfurt a.M. 1977, S. 54, zitiert nach:
Weimarer Republik aaO.
55 JRW 2, 813
56 812 f.
57 814
58 810
59 812
60 644
61 aaO.
62 Gedicht "Die
Internationale", JRW 2, 32 f. und auch "Krupp in Essen" (Gedicht
"Gasgranate", JRW 2, 24: "und eine Gasgranate, gestiftet von Krupp in
Essen")
63 JRW 2, 393
64 S. Russisches
Tagebuch, JRW 2, 1017; vgl. J. Roth, Die Kapuzinergruft, KiWi 125, S.
35 ff.
65 JRW2, 631f.
66 631
67 J. Roth, Die
weißen Städte, in: JRW2, 455
68 Vgl. dazu Bernd
Hüppauf, Joseph Roth: Hiob. Der Mythos des Skeptikers, in: Im
Zeichen Hiobs. Jüdische Schriftsteller und deutsche Literatur im
20. Jahrhundert. Hrsg. v. Günter E. Grimm und Hans-Peter
Bayerdörfer, Königstein/Ts. 1985, S. 309-373. Und in: Joseph
Roth. Werk und Wirkung. Hrsg. v. Bernd M. Kraske, Bonn 1988, S. 25-51
69 JRW2, 455
70 456
71 451
72 J. Roth, Die
Kapuzinergruft, KiWi 125, 45
73 JRW2, 453
74 Auf vielen Fotos aus
den 20er Jahren ist Joseph Roth, "die Hände in den Hosentaschen",
zu sehen: Heinz Lunzer/Victoria Lunzer-Talos, Joseph Roth. Leben und
Werk in Bildern, Köln 1994
75 JRW2, 453
76JaW 14
77 JRW2, 453
78 J. Roth, Die
Kapuzinergruft, KiWi 125, 36f.
79 JRW2, 453
80 454
81 aaO.
82 J. Roth, Russland
geht nach Amerika, JRW2, 631
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© Dieter Schrey 1991/2006
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