7,6 fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich, ein ganz alltäglicher Jude:Vgl. Hiob 1,1 und 1,8, wo es von Hiob in der Übersetzung der Zürcher Bibel heißt, er "war fromm und bieder, gottesfürchtig und dem Bösen feind".
- 1.) Roth bezieht sich hier wohl auf die im Schtetl übliche soziale Unterscheidung zwischen den"schejne jidn" und den "proste jidn", einerseits den "Gelehrten", die durch ihr Studium der heiligen Schriften zur Sabbatwelt gehören, höchstes Ansehen genießen und ihren Synagogenplatz deshalb an der Ostwand haben, und den "gewöhnlichen Juden", denen es sowohl an (theologischer) "Gelehrsamkeit" als auch an "Lebensart" fehlt und für die die hinteren Synagogenbänke bestimmt sind (DScht 54ff./111ff.;NLJ 415).
- 2.) "Mendel Singer, der Gerechte" (12,10f.), ist auch mit seiner religiösen Grundhaltung ("schlichte Frömmigkeit", 20,18) ein "gewöhnlicher Jude": Er steht ganz in der Tradition der rabbinisch bestimmten Gesetzestreue, hält genau die täglichen Gebetszeiten im Bethaus und zu Hause ein, geht regelmäßig in die Synagoge, feiert mit seiner Familie den Sabbat, wie es sich gehört, und wenn ein Problem auftaucht, beschließt er selbstverständlich, "Gottes Hilfe [...] zu erflehen und zweimal in der Woche zu fasten, Montag und Donnerstag" (13,28 ff.). Mit dieser Grundhaltung entspricht er voll und ganz dem "Frömmigkeitstypus" des jüdischen " Gerechten" (zaddik), der sich um nichts anderes in der Welt bemüht, als "nach den Geboten des Gesetzes zu leben" (G. Scholem 1973, 308 f.). Die Tora bietet "ein umfassendes Ideal der Harmonie in den Taten und Handlungen des Menschen, das keinen Platz läßt für Extravaganz". So gehören zu diesem "Ideal des gewöhnlichen Juden" "Nüchternheit" ohne "Gefühlsüberschwang", "Ausgeglichenheit", stoische "Ruhe und Gelassenheit" und stetige "Selbstkontrolle" gegenüber aufkommenden Triebregungen (G. Scholem 1973,309).
