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|| Stimme 3.3 (Text 15) ||
 


  Der Vater 

Mein Gott! Gut, daß ihre Mutter sich das alles nicht mehr hat anhören müssen - "gelungene Selbstverwirklichung als Basis für Solidarität". Paula und wir, Paula
und ich leben in verschiedenen Welten! Dabei ist sie nicht glücklich in ihrer Welt, und ihr Mann ist ihr wirklich keine Hilfe in der inneren Ruhelosigkeit.
Am Telefon meinte Rainer neulich, er habe Angst um sie, Angst um ihren "Verstand". In letzter Zeit sei sie einerseits völlig unzugänglich gewesen, andererseits habe sie ständig geredet von Plänen, in Moskau - mein Gott, wieso gerade in Moskau, warum nicht gleich in Peking! - einen Buchladen oder etwas ähnliches zu eröffnen. Man dürfe Europa nicht zu eng sehen, Rußland z.B. gehöre auch dazu, und man dürfe die Russen nicht der Mafia überlassen. Im Grunde seien sie so offen für westliches, demokratisches Denken, es brauche alles seine Zeit, man müsse nur helfen, helfen, helfen.
Im Grunde genommen kann ich triumphieren, wenn sie sich heute so äußert: Verantwortung für andere, Hilfe, europäische Familie, humane Solidarität - da hat sie scheint's doch was im Elternhaus gelernt!
Rainer hält diese Rußland-Ideen - realistischerweise! - für weltfremd, ja, für verrückt. Aber er traue ihr zu, daß sie nach Rußland "abhaue", "letztlich nach Asien", sagte er.
Was soll ich von dieser Geschichte halten? Schrecklich, allein hierzusitzen und nicht helfen, nicht eingreifen zu können!
Heute abend, ja, meine Unruhe ist heute abend besonders groß...
Im Frühjahr war sie ja zu irgendeiner Buchausstellung oder etwas ähnlichem in Moskau. Sie habe dorthin immer noch irgendwelche dubiosen Kontakte, zu einem älteren Russen. Den habe sie damals wohl "bezirzt"!
 

 
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