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|| Stimme 3.1 (Text 3) ||


Der Vater 

Also weiterhin diese Hitze. Jeden Abend der gleiche Wetterbericht, seit Wochen.
Wenn doch wenigstens abends ein kleines Lüftchen wehen würde.
10 vor 11 - nach den "Tagesthemen" rief Paula sonst an. Rief an; seit einer Woche hat sie sich nicht gemeldet.
Rainer sagte, sie stecke in einer "tiefen inneren Krise", rede aber nicht darüber.
"Tiefe innere Krise". Seit 20 Jahren ist er mit ihr verheiratet - entweder weiß er Bescheid, will's nur nicht zugeben, weil dann ja die Frage aufkäme, welchen Anteil er an der Krise hat, oder, was noch schlimmer wäre, er hat wirklich keine Ahnung von dem, was in Paula vorgeht. Wundern würde es mich nicht, denn sensibel war er noch nie. Freundlich, lustig, höflich, ja, und er liebt sie - seit über 20 Jahren wird er nicht müde, das zu verkünden, daß es auch ja alle hören: "Paulineken, wie lieb ick dir". Das soll dann nicht nur ein Spaß sein, sondern auch echte Zärtlichkeit verraten. Die Lacher hat er auf seiner Seite, irgendetwas Berlinerisches fällt ihm immer ein. Aber Paula - Paula lacht selten mit, verzieht eher das Gesicht. "Muß das sein, Rainer?" sagt sie dann.



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