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|| Stimme 2.1 (Text 2) ||


 
  Ein Russe auf der Durchreise 

Der Bahnbeamte. Der Mann mit der Aktentasche. Die beiden Jungen mit ihren Rucksäcken. Der Bahnbeamte, er steht immer noch am gleichen Platz. Etwas Festes. Woran kann ich mich halten in dieser sonderbaren Welt? Fremd. Mein Gott, wie fremd. Und ich dachte, ich bin ein Weltmann, ein weltoffener Mann.
Eine Minute. Der Zeiger an der großen Bahnhofsuhr. Der Zug, EC sagen sie. Alles fremd. Viel zu vornehm für mich, viel zu glatt. Eine Welt, in die ich hineingesprungen bin. Und jetzt schaudert mich.
Der Zeiger. Der Bahnbeamte steht noch neben dem Pfeiler. Und sie?
Warum fahren wir nicht! Ich denke, hier ist alles so pünktlich. Türe zu, Automatik, ein Ruck und weg. Bei uns fahren die Züge ganz langsam an, wenn du Lust hast, kannst du noch nebenhergehen, die Hand halten, du kannst - ja, du kannst noch aufspringen. Im letzten Augenblick kannst du noch aufspringen. Du hast es dir einfach anders überlegt.
Bin ich verrückt gewesen, damals in Moskau? Diese drei Minuten, als der Petersburger Nachtzug anfuhr. Sie stand an der offenen Tür, neben ihr die Schaffnerin, wütend. Sie hatte die Brille abgenommen, vielleicht wollte sie mich gar nicht mehr sehen, aber sie schaute, einfach irgendwohin, sie schaute, und ich blieb stehen, keinen Schritt hab ich getan.
 

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