BACHMANN SALAMANDER A-BOMBE
 
         Homepage Dieter Schrey  
line decor
  
line decor
 
 
 
 

 
 

Deutschunterricht-Doppelstunde Kl. 10:
Ingeborg Bachmann, Freies Geleit

Zu Text + Interpretation:
http://home.bn-ulm.de/~ulschrey/literatur/bachmann/bachmann_freiesgeleit.html

Download (Interpretation):
http://home.bn-ulm.de/~ulschrey/literatur/bachmann/bachmann_freies-geleit.pdf


Unterrichtsverlauf (Doppelstunde):

Einstiegsphase / Erarbeitungsphase I:

Abgesehen von der Ankündigung „Es geht (auch) heute um ein Gedicht" beginnt der Unterricht unmittelbar mit einer so gen. „Phantasiereise". Es kommt dabei auf zweierlei an:

  • Die SchülerInnen sollen das Gedicht nicht nur als „schwarze Buchstaben auf weißem Papier" mitbekommen, sondern als Abfolge eindrücklicher Bilder, die sie mit dem inneren Auge der Imagination „sehen" und erleben. Dazu sind Ruhe, Zeit und entspannte Konzentration nötig - das Tempo des inneren Films beim üblichen Lesevorgang oder auch beim Anhören einer Rezitation ist dafür im Allgemeinen zu hoch.
  • Daher: Schließen der Augen und stilles Rezipieren des „meditativ" vorgetragenen Textes, einer andeutenden Beschreibung der Szenerie der ersten beiden Gedichtstrophen. Das Gesamtbild soll sich fest einprägen - individuell sicherlich sehr unterschiedlich; Details sind (noch) nicht wichtig.

  • Das durch die Phantasiereise evozierte innere Bild darf dann nur die Funktion einer Folie für den Original-Text des Gedichts (zunächst der Strophen I und II) und für die Reflexion der Differenz zwischen den beiden Texten haben.
  • „Ihr seht noch einmal die gleiche Landschaft/Szenerie - das gleiche Bild":

    Die beiden ersten Strophen werden vom Lehrer rezitiert und mit nochmals geschlossenen Augen angehört, dann als

    FOLIE 1

    projiziert und ein zweites Mal vorgetragen, die SchülerInnen hören also und lesen schwarz auf weiß mit; Frage zuvor: „Ist es die gleiche Landschaft/Szenerie - das gleiche Bild, wie es zuvor in euren Vorstellungen entstanden ist?"

    Nach dem zweiten Anhören + Mitlesen:

    Analytisches Unterrichtsgespräch:

    Ihr habt von der Phantasiereise ein BILD vor dem „inneren Auge".
  • Wie verändert sich dieses BILD durch die beiden Gedichtstrophen im Einzelnen?
  • Wodurch ergibt sich die Veränderung?

  • Welches neue Gesamtbild ergibt sich? Wodurch?
  • Was macht den Unterschied in der Sprache aus?  
  • FOLIE 2 (Folie 1/Text Str. I / II bleibt sichtbar) + ARBEITSBLATT 1 (= Folie 2):

    Fragen nach - Bild/Bildern  / - Sprache/Sprechweise / - Worum geht es?

    Klärung / Unterrichtsgespräch: Das erwartete Ergebnis:

  • 4 eng miteinander verknüpfte Einzelbilder (Tag + Vögel/Bäume, Meer/(Strand), Flüsse/Meer, Land/Luft + Blumen)
  • z.B. phantastische, surreale, mythische, visionäre, utopische, pathetische, erhabene Bilder (vielleicht auch verrückt, gewagt, wild...)
  • personifiziert/mythisiert: Tag, Meer, Flüsse, Land, Luft (3 von 4 Elementen?)
  • z.B. hymnische, preisende, singende, klangvolle (Alliterationen, Assonanzen), feiernde, feierliche, pathetische Sprechweise
  • insgesamt poetische Sprache (Bilder und Klänge) in deutlichem Unterschied zur Alltagssprache (also auch zur Sprache der Phantasiereise)
  • Wozu? Worum geht es überhaupt in allen Bildern (und auch Klängen)?
  • - um das „Aufstehen" des Tages - Bedeutung?

    - um ein stark emotionales, begeistertes Miteinander und Aufeinanderzu in der Natur; um „Liebe"? um „Liebesversprechen" (mythische Personen!)!
     
     

    Erarbeitungsphase II:

    Weiterführende Frage:

    Ist das Gedicht nur ein Morgengedicht?

    Wir haben bisher ein wesentliches Element der Phantasiereise außer Acht gelassen: die Frau am Strand und ihren laut gerufenen Satz: »Die Erde will ein freies Geleit // ins All«. Es handelt sich da um den Beginn der Schlussstrophe des Gedichts, von dem wir bisher nur die beiden ersten Strophen kennen. Auch der Titel des Gedichts lautet »Freies Geleit« - es ist von Ingeborg Bachmann (1957):
    FOLIE  3: Str. I / II + Verf., Titel und VI,1 + Fußnote ("Definition „freies Geleit” [jurist.]:  „Gewährung der Bewegungsfreiheit und Unverletzlichkeit der Person"):

    "Wenn die Frau unserer Phantasiereise - sagen wir, es sei die Autorin des Gedichts, Ingeborg Bachmann - die Natur so sieht, wie es die ersten beiden Strophen zeigen (wir, oben auf dem Plateau, haben eine vollständig andere Perspektive!), und wenn sie dann diesen Satz so leidenschaftlich ruft, stellen sich die folgenden Fragen."

    Auch im ersten Satz der letzten Strophe des Gedichts ist von der Natur die Rede. Nehmt zunächst nur den ersten Teil des Verses:

  • Welches Bild von der Natur („Erde"!) wird in diesem Satz entworfen? Vergleicht mit Str. I/II !

  • In welchem Verhältnis steht die Sprecherin des Gedichts zur „Erde"?

  • Was könnte der Grund dafür sein, dass „die Erde ein freies Geleit ins All will"?
  • Partnerarbeit (ca. 5 Min.): ARBEITSBLATT  2

    Klärung/Unterrichtsgespräch:

    „die Erde", „will", „freies Geleit"; die Sprecherin als Künderin/Botschafterin/Prophetin der Erde

    Über die Gründe für dieses Wollen stellen die SchülerInnen Vermutungen an, die Frage bleibt offen, ebenso die Frage nach „dem All".

    Überleitung: FOLIE 4: Materialienblatt (Ausschnitt aus: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar")
    (für die Hausaufgabe an die SchülerInnen ausgeteilt): erster Absatz von SchülerIn vorgelesen.

    „Und das sollte die Kunst zuwege bringen: dass uns, in diesem Sinne, die Augen aufgehen" - worüber?

    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Einstiegsphase II:

    FOLIE 5: Strophen I - III, VI; Str. IV / V als Lücke

    Ein/e SchülerIn liest Str. I / II vor, der Lehrer Str. III und VI.

    Frage/Impuls:

    - Bietet die Str. III den Grund für den Wunsch der Erde nach freiem Geleit?

    >>> „Rauchpilz" = Atomwaffenversuche (in den 50er Jahren)

    - Versucht, die drei Bilder der Str. III in Alltagssprache zu übersetzen! (schwierig bei III, 3/4)

    (vielleicht: Woher stammt z.T. die poetische Wortwahl, auch das Bild von „Regen und Zornesblitzen"?)

    FOLIE 6: Hiroshima-Foto + z.B. Greenpeace-Daten (Sch. liest markierten Text vor)

    Lehrer erläutert kurz Bachmanns politische Aktivitäten in den 50er Jahren


    Erarbeitungsphase
    III:

    Produktionsorientierte Aufgabenstellung / Stillarbeit (ca. 12 Min.):

    Auf FOLIENSTREIFEN (an Sch. ausgeteilt): Schreibt selber (individuell) eure Str. IV bzw. V !

    - 4 Verse, reimlos, kein regelmäßiges Metrum, ähnlich lang wie in den übrigen Strophen)

    - Tauscht von NachbarIn zu NachbarIn die Ergebnisse aus!

    - Übernehmt die vorgegebenen Strophenanfänge!

    - Ihr solltet eure Strophe anschließend mit dem Overhead-Projektor vorführen, vorlesen und mit ein paar Sätzen erläutern: Inwiefern passt die Strophe in den bisher bekannten Zusammenhang?

    Vorwegklärung der Strophenanfänge IV und V: „Sie" = die Erde, die „keinen Rauchpilz tragen will".

    Welches neue Element begegnet uns in den Strophenanfängen? („uns")

    Wer ist mit „wir" gemeint?


    Präsentation der Produktionen auf dem Overhead-Projektor:

    3 (oder 2) x 2 Strophen werden auf dem Overhead-Projektor präsentiert, vorgetragen (also nicht einfach vorgelesen) und anschließend kurz erläutert.

    (Also keine Diskussion! Aber s.u. die Hausaufgabe!)


    FOLIE 6 und TEXTBLATT
    (vollständiger Text an SchülerInnen ausgeteilt):

    Vergleicht den Originaltext des Gedichts von Ingeborg Bachmann mit den präsentierten und mit euren eigenen Strophen-Entwürfen!

    Unterrichtsgespräch

    Abschließendes Unterrichtsgespräch:

    - Was erwartet die Sprecherin des Gedichts, wenn sie in der letzten Strophe den Willen „der Erde" verkündet: „Die Erde will ... ...jungen Gnaden" ?

    - Was hat Ingeborg Bachmann bzw. das Gedicht den „unerhörten Stimmen des Verderbens", den „Rauchpilzen" entgegenzusetzen?

    Falls noch Zeit übrig bleibt:

    Lehrer liest den Schluss des „Wahrheit"-Textes von Ingeborg Bachmann (OVERHEADFOLIE 3) vor.

    Hausaufgabe:

    1. Schreibt eure Strophe ab (überarbeitet sie vielleicht noch einmal)! (Die Blätter werden eingesammelt!)

    2. Lernt das Gedicht von Ingeborg Bachmann auswendig!

    oder:

    Lest den Redeausschnitt von Ingeborg Bachmann (Materialienblatt, „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar"; ausgeteilt) und referiert den Inhalt in der nächsten Unterrichtsstunde!
     

    nach oben

    ©  Dieter Schrey 2001 / 2006