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E.T.A. Hoffman: Zwei Erzählungen (Dresden 1813):
"Der Dichter und der Komponist"
"Der Magnetiseur"

 

Zu: E.T.A. Hoffmann, "Der Dichter und der Komponist"

Der Text ist ein szenisch eingekleideter kunsttheoretischer Dialog über die romantische Oper im Zusammenhang des Verhältnisses von Kunst und Leben (Politik/Krieg). Die Rahmenhandlung geht zurück auf die unerwartete Begegnung der beiden Jugendfreunde Hoffmann (Ludwig?) und Theodor Gottlieb Hippel (Ferdinand?) im Dresdner Linkischen Bad am 26. April 1813, einen Tag nach Hoffmanns Ankunft in Dresden, nach 9 Jahren der Trennung  – Hippel ist mittlerweile Vortragender Rat beim Staatskanzler Hardenberg und Verfasser des königlichen Aufrufs „An mein Volk“ (vgl. Rüdiger Safranski, E.T.A. Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten, München/Wien 1984, S. 283 ff.).

Wie der Mythos der 3. Vigilie des "Goldnen Topfs" erzählt auch Ferdinands Kriegs-Mythos vom verlorenen und in der Zukunft wiederzufindenden Paradies. Aber der "Sündenfall" besteht nicht, wie in der 3. (und wohl auch 8.) Vigilie in der Zerstörung der liebenden Alleinheit in der Natur durch die Unbedingtheit der Liebe und durch "den Gedanken", die Rationalität, sondern in "träger Untätigkeit", ja, "Verwahrlosung" der "Kinder der Natur". Gemeint ist wohl das Versinken in der öden Langeweile der bürgerlichen Normalität, das Vergessen des "feenhaften Reichs der Wunder" in der Innen- und Außenwelt (das "Nicht-mehr-Glauben" an die "Mutter"), der "einfältige Mutwille", mit dem nun auch Zerstörungen angerichtet werden.

Allerdings mutet es befremdlich an, wenn nun der "kosmische Moment" (G.H. Schubert) der äußersten Langeweile und Trägheit und des "Unglaubens" den personifizierten "Krieg" (den „Dämon“/„Drachen“ Napoleon) erzeugt. Zwar ist nicht der Krieg der Retter in der Not, im Gegenteil, er treibt die Menschen erst in die tiefste Not, aber nur durch ihn, aus ihm kann sich die Gegenkraft entwickeln: "dem Kampfe entstrahlt das Göttliche, wie dem Tode das Leben". Der Zusammenhang mit Schubert ist deutlich. Die Textstelle zeigt die möglichen Konsequenzen einer Ästhetisierung des Kampfes. Aus solchen Sätzen, die vor dem Hintergrund der so genannten Befreiungskriege formuliert sind, lassen sich bereits faschistische Töne heraushören.

Es bleibt m.E. eine offene und damit spannende Frage, ob auch Ludwig zum Schluss, indem er seinem kriegsbegeisterten Freund mit einer philosophischen Parole (à la Schubert) antwortet, das gleiche meint wie Ferdinand, der sie als Zusammenfassung seines Mythos versteht. Hoffmann jedenfalls probiert auch Ferdinands "ungeheuren" Standpunkt aus - mit einem "gewissen unbehaglichen Gefühl" gegenüber "Fremdartigem".
(D.S.)

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E.T.A. Hoffmann (1813)

DER DICHTER UND DER KOMPONIST

Der Feind war vor den Toren, das Geschütz donnerte ringsumher, und feuersprühende Granaten durchschnitten zischend die Luft. Die Bürger rannten mit von Angst gebleichten Gesichtern in ihre Wohnungen, und die öden Straßen erhallten von dem Pferdegetrappel der Reiterpatrouillen, die dahersprengten, und fluchend die zurückgebliebenen Soldaten in die Schanzen trieben. Nur Ludwig saß in seinem Hinterstübchen, ganz vertieft und versunken in die herrliche, bunte, fantastische Welt, die ihm vor dem Flügel aufgegangen; er hatte soeben eine Symphonie vollendet, in der er alles das, was in seinem Innersten erklungen, in sichtbarlichen Noten festzuhalten gestrebt, und es sollte das Werk, wie Beethovens Kompositionen der Art, in göttlicher Sprache von den herrlichen Wundern des fernen, romantischen Landes reden, in dem wir in unaussprechlicher Sehnsucht untergehend leben; ja es sollte selbst, wie eines jener Wunder, in das beengte dürftige Leben treten, und mit holden Sirenenstimmen die sich willig Hingebenden hinauslocken. Da trat die Wirtin ins Zimmer, scheltend, wie er in dieser allgemeinen Angst und Not nur auf dem Flügel spielen könne, und ob er sich denn in seinem Dachstübchen totschießen lassen wolle. Ludwig begriff die Frau eigentlich nicht, bis in dem Augenblick eine daherbrausende Granate ein Stück des Dachs wegriß, und die Fensterscheiben klirrend hineinwarf; da rannte die Wirtin schreiend und jammernd die Treppe hinab, und Ludwig eilte, sein Liebstes, was er nun besaß, nämlich die Partitur der Symphonie, unter dem Arm tragend, ihr nach in den Keller. Hier war die ganze Hausgenossenschaft versammelt. In einem Anfall von Liberalität, die ihm sonst gar nicht eigen, hatte der im untern Stock wohnende Weinwirt ein paar Dutzend Flaschen seines besten Weins preisgegeben, die Frauen brachten, unter Zittern und Zagen, doch, wie immer auf des Leibes Nahrung und Notdurft sorglich bedacht, manches köstliche Stück aus ihrem Küchenvorrat im zierlichen Strickkörbchen herbei; man aß, man trank - man ging aus dem durch Angst und Not exaltierten Zustand bald über in das gemütliche Behagen, wo Nachbar an Nachbar sich schmiegend, Sicherheit sucht und zu finden glaubt, und gleichsam jeder kleinliche künstliche Pas, den die Konvenienz gelehrt, in dem großen Dreher untergeht, zu dem des Schicksals eherne Faust den gewaltigen Takt schlägt. Vergessen war der bedrängte Zustand, ja die augenscheinliche Lebensgefahr, und muntere Gespräche ergossen sich von begeisterten Lippen. Hausbewohner, die, sich auf der Treppe begegnend, kaum den Hut gerückt, saßen Hand in Hand beieinander, ihr Innerstes in wechselseitiger, herzlicher Teilnahme aufschließend. Sparsamer fielen die Schüsse, und mancher sprach schon vom Heraufsteigen, da die Straße sicher zu werden scheine. Ein alter Militär ging weiter, und bewies soeben, nachdem er zuvor über die Befestigungskunst der alten Römer und über die Wirkung der Katapulte ein paar lehrreiche Worte fallen lassen, auch aus neuerer Zeit des Vauban mit Ruhm erwähnt, daß alle Furcht unnütz sei, da das Haus ganz außer der Schußlinie liege - als eine anschlagende Kugel die Ziegelsteine, womit man die Zuglöcher verwahrt, in den Keller schleuderte. Niemand wurde indessen beschädigt, und als der Militär mit dem vollen Glase auf den Tisch sprang, von dem die Ziegelsteine die Flaschen hinabgeworfen, und jeder fernern Kugel Hohn sprach, kehrte allen der Mut wieder. - Dies war indessen auch der letzte Schreck; die Nacht verging ruhig, und am andern Morgen erfuhr man, daß die Armee eine andere Stellung genommen, und dem Feinde freiwillig die Stadt geräumt habe. Als man den Keller verließ, durchstreiften schon feindliche Reiter die Stadt, und ein öffentlicher Anschlag sagte den Einwohnern Ruhe und Sicherheit des Eigentums zu. Ludwig warf sich in die bunte Menge, die, auf das neue Schauspiel begierig, dem feindlichen Heerführer entgegenzog, der unter dem lustigen Klange der Trompeten, umgeben von glänzend gekleideten Garden, eben durch das Tor ritt. -

Kaum traute er seinen Augen, als er unter den Adjutanten seinen innig geliebten, akademischen Freund Ferdinand, erblickte, der in einfacher Uniform, den linken Arm in einer Binde tragend, auf einem herrlichen Falben dicht bei ihm vorüberkurbettierte. „Er war es - er war es wahr und wahrhaftig selbst!" rief Ludwig unwillkürlich aus. Vergebens suchte er dem Freunde zu folgen, den das flüchtige Roß schnell davontrug, und gedankenvoll eilte Ludwig in sein Zimmer zurück: aber keine Arbeit wollte vonstatten gehn, die Erscheinung des alten Freundes, den er seit Jahren ganz aus dem Gesichte verloren, erfüllte sein Inneres, und wie in hellem Glanz trat die glückselige Jugendzeit hervor, die er mit dem gemütlichen Ferdinand verlebt. Ferdinand hatte damals keinesweges irgendeine Tendenz zum Soldatenstande gezeigt; er lebte ganz den Musen, und manches geniale Erzeugnis beurkundete seinen Beruf zum Dichter. Um so weniger begreiflich war daher Ludwigen die Umformung seines Freundes, und er brannte vor Begierde, ihn zu sprechen, ohne zu wissen, wie er es anfangen solle ihn aufzufinden. - Immer lebendiger und lebendiger wurde es nun am Orte, ein großer Teil der feindlichen Armeen zog durch, und an ihrer Spitze kamen die verbündeten Fürsten, welche sich daselbst einige Tage Ruhe gönnten. Je größer aber nun das Gedränge im Hauptquartier wurde, desto mehr schwand Ludwigen die Hoffnung, den Freund wiederzusehen, bis dieser endlich in einem entlegenen, wenig besuchten Kaffeehause, wo Ludwig sein frugales Abendbrot zu verzehren pflegte, ihm ganz unerwartet mit einem lauten Ausruf der innigsten Freude in die Arme fiel. Ludwig blieb stumm, denn ein gewisses unbehagliches Gefühl verbitterte ihm den ersehnten Augenblick des Wiederfindens. Es war ihm, wie manchmal im Traume man die Geliebten umarmt, und diese sich nun schnell fremdartig umgestalten, so daß die schönsten Freuden schnell untergehen, im höhnenden Gaukelspiel. - Der sanfte Sohn der Musen, der Dichter manches romantischen Liedes, das Ludwig in Klang und Ton gekleidet hatte, stand vor ihm im hohen Helmbusch, den gewaltigen, klirrenden Säbel an der Seite, und verleugnete selbst seine Stimme im harten, rauhen Ton aufjauchzend! Ludwigs düsterer Blick fiel auf den verwundeten Arm und glitt hinauf zu dem Ehrenorden, den Ferdinand auf der Brust trug. Da umschlang ihn Ferdinand mit dem rechten Arm, und drückte ihn heftig und stark an sein Herz. „Ich weiß", sagte er: „was du jetzo denkst, was du empfindest bei unserm Zusammentreffen! - Das Vaterland rief mich, und ich durfte nicht zögern, dem Rufe zu folgen. Mit der Freude, mit dem glühenden Enthusiasmus, den die heilige Sache entzündet hat in jedes Brust, den die Feigherzigkeit nicht zum Sklaven stempelt, ergriff diese Hand, sonst nur gewohnt den leichten Kiel zu führen, das Schwert! Schon ist mein Blut geflossen, und nur der Zufall, der es wollte, daß ich unter den Augen des Fürsten meine Pflicht tat, erwarb mir den Orden. Aber glaube mir, Ludwig, die Saiten, die so oft in meinem Innern erklungen, und deren Töne so oft zu dir gesprochen, sind noch unverletzt; ja, nach grausamer, blutiger Schlacht, auf einsamen Posten, wenn die Reiter im Biwak um das Wachtfeuer lagen, da dichtete ich in hoher Begeisterung manches Lied, das in meinem herrlichen Beruf, zu streiten für Ehre und Freiheit, mich erhob und stärkte." Ludwig fühlte, wie sein Inneres sich aufschloß bei diesen Worten, und als Ferdinand mit ihm in ein kleines Seitengemach getreten, und Kaskett und Säbel abgelegt, war es ihm, als habe der Freund ihn nur in wunderlicher Verkleidung geneckt, die er jetzt abgeworfen. Als beide Freunde nun das kleine Mahl verzehrten, das ihnen indessen aufgetragen war, und die Gläser aneinandergestoßen lustig erklangen, da erfüllte sie froher Mut und Sinn, die alte, herrliche Zeit umfing sie mit allen ihren bunten Farben und Lichtern, und alle jene holdseligen Erscheinungen, die ihr vereintes Kunststreben wie mit mächtigem Zauber hervorgerufen, kamen wieder in herrlichem Glanze erneuter Jugend. Ferdinand erkundigte sich angelegentlich nach dem, was Ludwig unter der Zeit komponiert habe, und war höchlich verwundert, als dieser ihm gestand, daß er noch immer nicht dazu gekommen sei, eine Oper zu setzen und auf das Theater zu bringen, da ihn bis jetzt durchaus kein Gedicht, was Sujet und Ausarbeitung anbelange, zur Komposition habe begeistern können.

[… An dieser Stelle folgt der – hier ausgelassene - kunsttheoretische Dialog.]

Ferdinand war im Begriff zu antworten, als auf der Straße dicht vor den Fenstern der Generalmarsch geschlagen wurde Er schien betroffen, Ludwig drückte tief seufzend des Freunde Hand an seine Brust. „Ach Ferdinand, teurer, innig geliebte; Freund!" rief er aus: „was soll aus der Kunst werden in dieses rauhen, stürmischen Zeit? Wird sie nicht, wie eine zarte Pflanze die vergebens ihr welkes Haupt nach den finstern Wolken wendet, hinter denen die Sonne verschwand, dahinsterben? - Ach Ferdinand, wo ist die goldene Zeit unserer Jünglingsjahre hin. Alles Bessere geht unter in dem reißenden Strom, der die Felder verheerend dahinstürzt; aus seinen schwarzen Wellen blicken blutige Leichname hervor, und in dem Grausen, das uns ergreift, gleiten wir aus - wir haben keine Stütze - unser Angstgeschrei verhallt in der öden Luft - Opfer der unbezähmbaren Wut sinken wir rettungslos hinab!" - Ludwig schwieg, in sich versunken. Ferdinand stand auf; er nahm Säbel und Kaskett; wie der Kriegsgott zum Kampf gerüstet, stand er vor Ludwig, der ihn verwundernd anblickte. Da überflog eine Glut Ferdinands Gesicht; sein Auge erstrahlte in brennendem Feuer, und er sprach mit erhöhter Stimme: „Ludwig, was ist aus dir geworden; hat die Kerkerluft, die du hier so lange eingeatmet haben magst, denn so in dich hineingezehrt, daß du krank und siech nicht mehr den glühenden Frühlingshauch zu fühlen vermagst, der draußen durch die, in goldner Morgenröte erglänzenden Wolken streicht? - In träger Untätigkeit schwelgten die Kinder der Natur, und die schönsten Gaben, die sie ihnen bot, achteten sie nicht, sondern traten sie in einfältigem Mutwillen mit Füßen. Da weckte die zürnende Mutter den Krieg, der im duftenden Blumengarten lange geschlafen. Der trat, wie ein eherner Riese, unter die Verwahrlosten, und vor seiner schrecklichen Stimme, von der die Berge widerhallten, fliehend, suchten sie den Schutz der Mutter, an die sie nicht mehr geglaubt hatten. Aber mit dem Glauben kam auch die Erkenntnis: nur die Kraft bringt das Gedeihen - dem Kampfe entstrahlt das Göttliche, wie dem Tode das Leben! - Ja Ludwig, es ist eine verhängnisvolle Zeit gekommen, und wie in. der schauerlichen Tiefe der alten Sagen, die, gleich in ferner Dämmerung wunderbar murmelnden Donnern zu uns herübertönen, vernehmen wir wieder deutlich die Stimme der ewig waltenden Macht - ja sichtbarlich in unser Leben schreitend erweckt sie in uns den Glauben, dem sich das Geheimnis unsers Seins erschließt. - Die Morgenröte bricht an und schon schwingen sich begeisterte Sänger in die duftigen Lüfte und verkünden das Göttliche, es im Gesange lobpreisend. Die goldnen Tore sind geöffnet und in einem Strahl entzünden Wissenschaft und Kunst das heilige Streben, das die Menschen zu einer Kirche vereinigt. Drum, Freund, den Blick aufwärts gerichtet - Mut - Vertrauen – Glauben!" - Ferdinand drückte den Freund an sich. Dieser nahm das gefüllte Glas: „Ewig verbunden zum höhern Sein im Leben und Tode!" - „Ewig verbunden zum höhern Sein im Leben und Tode!" wiederholte Ferdinand, und in wenigen Minuten trug ihn sein flüchtiges Roß schon zu den Scharen, die in wilder Kampflust hoch jubelnd dem Feinde entgegenzogen.

In: E.T.A. Hoffmann, Die Serapions-Brüder. Hg. und mit einem Nachwort versehen von W. Müller-Seidel, mit Anmerkungen von W. Segebrecht. München 1976/1979. Lizenzausgabe Darmstadt 1985, S. 76 ff.

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Zu: E.T.A. Hoffmann, Brief Albans, aus "Der Magnetiseur (vgl. R. Safranski, S. 294ff.)

In dieser Erzählung setzt sich Hoffmann mit dem Mesmerismus (Magnetismus) auseinander, dem er nach intensivem Austausch mit ihm befreundeten „Fachärzten“ (wie man heute sagen würde) mit großer Skepsis gegenüberstand. Franz Anton Mesmer (1734-1815), ein deutscher Arzt, war mittlerweile europaweit bekannt für sein Heilverfahren, den „Mesmerismus" (Heilung durch einen tranceähnlichen Zustand). 1775 war seine dann heftig diskutierte Veröffentlichung erschienen, in der er die Entdeckung einer Kraft mit außerordentlicher Wirkung auf den menschlichen Körper, ähnlich dem Magnetismus, beschrieb (deshalb „Magnetismus animalis" / „tierischer Magnetismus" genannt). 1785 kam eine von der französischen Regierung beauftragte Untersuchungskommission aus Ärzten und Wissenschaftlern zu dem Ergebnis, Mesmers Heilmethode sei unwissenschaftlich. Heute gilt seine Methode als Wegbereiterin der Hypnose, die als Heilmethode bei bestimmten Erkrankungen anerkannt wird.

(Inhalt:) Im Schloss des Barons unterhalten sich abends der Baron, sein Freund, ein skurriler Maler, sein Sohn Ottmar und seine Tochter Maria, die mit dem wegen seines Kriegsdienstes gegen Napoleon nicht anwesenden Hypolit verlobt ist. In der Unterhaltung geht es um Träume und um "Magnetismus". Ottmar berichtet in diesem Rahmen, was ihm sein Freund Alban, ein junger Arzt und Magnetiseur, vor einiger Zeit erzählt hat: Theobald, ein Studienfreund Albans und ebenfalls Anhänger des Magnetismus, habe erleben müssen, wie sich seine Braut Auguste in einen jungen italienischen Offizier verliebt habe, der während der napoleonischen Kriegswirren bei ihr zuhause einquartiert worden sei. Auf Anraten Albans habe Theobald seine magnetisch-hypnotischen Fähigkeiten benutzt, um Augustens nächtliche Träume auf die gemeinsam verlebte Kindheit und auf die frühere Liebesbeziehung zwischen ihnen zurückzulenken. Als Ottmar gerade vom Erfolg dieser Bemühungen erzählen will, fällt seine Schwester Maria wie tot um. Alban - von dem der Leser erst jetzt erfährt, dass auch er sich im Schloss befindet - soll durch seine magnetischen Fähigkeiten helfen. Ohnehin hält er sich seit einiger Zeit nur deshalb im Schloss auf, weil er eine seelische Verwirrung oder Krankheit Marias heilen soll. Ja, eigentlich scheint er diese bereits geheilt zu haben. Allerdings ist die Verwirrung oder Krankheit Marias überhaupt erst aufgetreten, nachdem Ottmar zum ersten Mal Alban als seinen Freund ins Schloss mitgebracht hat. Der Leser vermutet (wie sich später herausstellt, zu Recht), dass Alban sich bei dieser früheren Gelegenheit in Maria verliebt hat und sie dann - Liebe als ein Herrschaftsverhältnis missverstehend - mit hypnotischen Mitteln krank gemacht hat, um nachher längerfristig ihr Therapeut werden und sie so in völlige Abhängigkeit von sich bringen zu können. Das ist ihm mittlerweile gelungen, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, und so gelingt ihm nun auch, abends, nachdem er auf mysteriöse Weise plötzlich im Raum erschienen ist, die "Wiedererweckung" der in tiefe Ohnmacht gefallenen Maria, vor den Augen ihres Bruders, ihres Vaters und des Malers.

Damit bricht der Erzähler ab und fügt zunächst einen Brief Marias an eine Freundin hinzu, aus dem der Leser die Krankheitsgeschichte der Briefschreiberin entnehmen kann. Sie durchschaut jedoch immer noch nicht, dass Alban, der Magnetiseur, sie vollkommen in seine geistig-seelische Gewalt gebracht hat.

Es folgt das Fragment des Briefs Albans an Theobald (s.u.). Danach ist der Schluss der Erzählung überraschend schnell erreicht: Der - bisher nicht aufgetretene - Ich-Erzähler kommt, nach einem zeitlichen Sprung über einige Jahre hinweg, als juristisch Bevollmächtigter für den Verkauf des mittlerweile leeren Schlosses gerade recht zum Begräbnis des Malers, der zuletzt noch als einziger im Schloss gewohnt hat, und findet dort Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass

1. durch Albans magnetische Wirkung Maria während ihrer Trauung mit dem aus dem Feld zurückgekehrten Hypolit tot niedergesunken ist,

2. Hypolit im Duell mit Alban umgekommen ist,

3. Ottmar "den Heldentod in der Schlacht" gefunden hat,

4. darauf der Baron vor Gram und

5. der Maler drei Jahre später, wohl aus Altersgründen, gestorben ist.

Frage: Ist der Archivarius im „Goldnen Topf“ auch ein solcher Magnetiseur, der seine Macht missbraucht, indem er den in Liebe zum "falschen" Mädchen (Veronika) gefallenen Anselmus hypnotisch auf das "richtige" (Serpentina) umpolt? Wodurch unterscheidet sich der Archivarius hier von dem ebenfalls magnetisch begabten Äpfelweib?

Ist unbedingte Liebe, wie sie sich zwischen Anselmus und Serpentina entwickelt, als solche ein "magnetisches" Phänomen, zu dem dann auch notwendig der Machtaspekt gehört? (Vgl. auch Julia als "Dämon" des Autors.)

Eine biografische Frage ("Dämon" Julia - Hoffmann): Ist ein solches Verständnis der unbedingten, also nicht realisierbaren Liebe als einer Äußerung des "Willens zur Macht" eine Hilfskonstruktion Hoffmanns, um auf diese unbedingte, unrealisierbare Liebe verzichten und weiterleben zu können?)
(D.S.)

 

E.T.A. Hoffmann, Der Magnetiseur (1813) (Auszug)
Fragment von Albans Brief an Theobald

- - - zurückgeblieben ist. Die Frömmigkeit schließt das Frommtun in sich, und jedes Frommtun ist eine Heuchelei, sei es auch nicht sowohl um andere zu betrügen, als sich selbst an dem Reflex des in unechtem Golde blinkernden Strahlenscheins zu ergötzen, mit dem man sich zum Heiligen gekrönt hat. - Regten sich denn in Deiner eigenen Brust nicht manchmal Gefühle, die Du, mein lieber Bramin! mit dem, was Du aus Gewohnheit, und bequem in dem Geleise bleibend, das die verjährte Ammenmoral eingefurcht hat, als gut und weise erkennen willst, nicht zusammenreimen konntest? Alle diese Zweifel gegen die Tugendlehre der Mutter Gans, alle diese über die künstlichen Ufer des durch Moralsysteme eingedämmten Stroms überbrausenden Neigungen, der unwiderstehliche Drang, den Fittig, den man kräftig befiedert an den Schultern fühlt, frisch zu schütteln und sich dem Höhern zuzuschwingen, sind die Anfechtungen des Satans, vor denen die aszetischen Schulmeister warnen. Wir sollen wie gläubige Kinder die Augen zudrücken, um an dem Glanz und Schimmer des heil. Christs, den uns die Natur überall in den Weg stellt, nicht zu erblinden. - Jede Neigung, die den höheren Gebrauch der inneren Kräfte in Anspruch nimmt, kann nicht verwerflich sein, sondern muß eben aus der menschlichen Natur entsprungen und in ihr begründet, nach der Erfüllung des Zwecks unseres Daseins streben. Kann dieser denn ein anderer sein, als die höchstmöglichste, vollkommenste Ausbildung und Anwendung unserer physischen und psychischen Kräfte? - Ich weiß, daß ohne weiter zu reden, ich Dich, mein lieber Bramin! (so, und nicht anders, muß ich Dich nach deinen Lebensansichten nennen) schon zum Widerspruch gereizt habe, da Dein ganzes Tun und Treiben der innigen Meinung entgegenstrebt, die ich nur angedeutet. - Sei indessen überzeugt, daß ich Dein kontemplatives Leben und Deine Bemühungen, durch immer geschärfteres Anschauen in die Geheimnisse der Natur einzudringen, achte; aber statt Dich an dem Glanz des diamantnen Schlüssels in stiller untätiger Betrachtung zu erfreuen, ergreife ihn keck und kühn, und öffne die geheimnisvolle Pforte, vor der Du sonst stehen bleiben wirst in Ewigkeit. - Du bist zum Kampfe gerüstet, was weilst Du in träger Ruhe? - Alle Existenz ist Kampf und geht aus dem Kampfe hervor. In einem fortsteigenden Klimax wird dem Mächtigern der Sieg zuteil, und mit dem unterjochten Vasallen vermehrt er seine Kraft. - Du weißt, lieber Theobald! wie ich immer diesen Kampf auch im geistigen Leben statuiert, wie ich keck behauptet, daß eben die geheimnisvolle geistige Übermacht dieses oder jenes Schoßkindes der Natur, die Herrschaft, die er sich anmaßen darf, ihm auch Nahrung und Kraft zu immer höherem Schwunge gibt. Die Waffe, mit der wir, denen die Kraft und Übermacht inwohnt, diesen geistigen Kampf gegen das untergeordnete Prinzip kämpfen und uns dasselbe unterjochen, ist uns, ich möchte sagen, sichtbarlich in die Hand gegeben. Wie ist es doch gekommen, daß man jenes Eindringen, jenes gänzliche Inunsziehen und Beherrschen des außer uns liegenden geistigen Prinzips durch uns bekannt gewordene Mittel, Magnetismus genannt hat, da diese Benennung nicht genügt, oder vielmehr, als von einer einzelnen physisch wirkenden Kraft hergenommen, gar nicht das bezeichnet, was wir darunter verstanden wissen wollen. Es mußte gerade ein Arzt sein, der zuerst von meinem Geheimnisse zur Welt sprach, das eine unsichtbare Kirche wie ihren besten Schatz im stillen aufbewahrte, um eine ganz untergeordnete Tendenz als den einzigen Zweck der Wirkung aufzustellen, denn so wurde der Schleier gewebt, den die blöden Augen der Ungeweihten nicht durchdringen. - Ist es denn nicht lächerlich zu glauben, die Natur habe uns den wunderbaren Talisman, der uns zum König der Geister macht, anvertraut, um Zahnweh oder Kopfschmerz, oder was weiß ich sonst, zu heilen? - Nein, es ist die unbedingte Herrschaft über das geistige Prinzip des Lebens, die wir, immer vertrauter werdend mit der gewaltigen Kraft jenes Talismans, erzwingen. Sich unter seinem Zauber schmiegend, muß das unterjochte fremde Geistige nur in uns existieren, und mit seiner Kraft nur uns nähren und stärken l - Der Fokus, in dem sich alles Geistige sammelt, ist Gott! - Je mehr Strahlen sich zur Feuerpyramide sammeln – desto näher ist der Fokus! - Wie breiten sich diese Strahlen aus – sie umfassen das organische Leben der ganzen Natur, und es ist der Schimmer des Geistigen, der uns in Pflanze und Tier unsere durch dieselbe Kraft belebten Genossen erkennen läßt. – Das Streben nach jener Herrschaft ist das Streben nach dem Göttlichen, und das Gefühl der Macht steigert in dem Verhältnis seiner Stärke den Grad der Seligkeit. Der Inbegriff aller Seligkeit ist im Fokus!- Wie klein und erbärmlich erscheint mir alles Geschwätz über jene herrliche Kraft, die den Geweihten verliehen, und es ist wohl zu begreifen, daß nur die höhere Ansicht als der Ausdruck der inneren Weihe auch die höhere Wirksamkeit herbeiführt. - Nach allem diesem wirst Du glauben müssen, daß mir bei der Anwendung alle physischen Mittel fremd geworden, allein es ist dem nicht so. Hier ist es, wo wir noch im Dunkeln tappen, solange uns die geheime Verbindung des Geistigen mit dem Körper nicht klar vor Augen liegt, und ich möchte sagen, die physischen Hülfsmittel sind uns nur wie Zeichen des Herrschers in die Hand gegeben, denen sich unbekannte Vasallen unterwerfen. - Ich weiß selbst nicht, wie ich dazu gekommen bin, Dir, mein Theobald, so viel über einen Gegenstand zu sagen, von dem ich ungern spreche, da ich es fühle, wie nur die aus einer besondern innern geistigen Organisation entsprießende Überzeugung den leeren Worten Gewicht und Nachdruck geben muß. Deinen Vorwurf, einer lebhaft aufwallenden Neigung gefolgt zu sein, und gegen Deine sogenannten moralischen Ansichten gesündigt zu haben, wollte ich beantworten, und jetzt erst werde ich gewahr, daß ich Dir neulich meine Verhältnisse in dem Hause des Barons viel zu rhapsodisch entwickelte, um nicht mißverstanden zu werden. - Ich gebe mir Zeit und Mühe, manches von meinem Eintritt in dies Haus nachzuholen, und wenn mein lieber frommer Bramin in einem höher beschwingten Augenblick mir nur einigermaßen in mein Gebiet folgen will, so werde ich von aller Schuld gereinigt sein.

Ottmar ist nun einmal einer von den vielen Menschen, die, nicht ohne Geist und Verstand, ja selbst mit einer enthusiastischen Lebendigkeit, alles Neue im Gebiet der Wissenschaft auffassen; aber eben dieses Auffassen ist ihr letzter Zweck, und es ist nur die Kenntnis der Form, die sie, der inneren Kraft sich freuend, mit leichter Mühe erringen. Mit dieser Kenntnis ist ihr Geist, dem selbst die Ahnungen des Innern fremd bleiben, zufrieden; dem Gemüt, das man ihnen nicht absprechen kann, fehlt Tiefe. - Ottmar hat sich, wie Du weißt, an mich gedrängt, und, indem er mir wie der Koryphäus einer ganz überzahlreichen Klasse von jungen Leuten, wie sie jetzt so häufig angetroffen werden, erschien, ergötzte es mich, mit ihm höhnend zu spielen. Mein Zimmer hat er mit einer Ehrfurcht betreten, als sei es das innerste heiligste Gemach im Tempel zu Sais, und da er sich als mein Schüler willig unter meine Zuchtrute schmiegte, hielt ich es für billig, ihm manches unschuldige Spielzeug anzuvertrauen, das er triumphierend den Knaben vorwies, und recht groß tat mit der Liebe des Meisters. - Als ich seinen Bitten nachgab und ihn auf seines Vaters Gut begleitete, fand ich in dem Baron, seinem Vater, einen störrischen Alten, umgeben von einem wunderlichen humoristischen alten Maler, der manchmal den weinerlichen moralischen Pagliasso macht. - Was ich Dir über den Eindruck, den Marie auf mich machte, früher gesagt habe, weiß ich nicht mehr; aber ich fühle es in diesem Augenblick, daß es schwer sein wird, mich so darüber auszusprechen, daß ich von Dir ganz verstanden werde. - In Wahrheit, ich muß mich darauf beziehen, daß Du mich kennst, ja daß Du von jeher mein ganzes Tun und Treiben in den höheren Tendenzen, die dem Volke ewig verschlossen, begriffen. Du bist daher überzeugt, daß eine schlanke Gestalt, die wie eine herrliche Pflanze, in zartem Wuchs üppige Blätter und Blüten treibend, aufgeschossen; ein blaues Auge, das emporblickend sich nach dem zu sehnen scheint, was die fernen Wolken verschleiern - kurz, daß ein engelschönes Mädchen mich nicht in den süßlich schmachtenden Zustand des lächerlichen Amoroso versetzen kann. - Es war einzig und allein die augenblickliche Erkenntnis der geheimen geistigen Beziehung zwischen Marien und mir, die mich mit dem wunderbarsten Gefühl durchbebte. Der innigsten Wonne mischte sich ein schneidender, stechender Grimm bei, den die Opposition in Marien erzeugte - eine fremde feindliche Kraft widerstrebte meiner Einwirkung und hielt Mariens Geist befangen. Mit ganzer Macht meinen Geist darauf fixierend, wurde ich den Feind gewahr, und in vollem Kampf suchte ich alle Strahlen, die aus Mariens Innern mir zuströmten, wie in einem Brennspiegel aufzufangen. Der alte Maler beachtete mich mehr als die übrigen es taten; er schien die innere Spannung, die Marie in mir hervorgebracht, zu ahnen. Vielleicht war es mein Blick, der mich verriet, denn so zwängt der Körper den Geist ja ein, daß die leiseste seiner Bewegungen in den Nerven oszillierend nach außen wirkt, und die Gesichtszüge - wenigstens den Blick des Auges verändert. Wie ergötzte es mich aber, daß er die Sache so gemein nahm; er sprach unaufhörlich von dem Grafen Hypolit, Mariens verlobtem Bräutigam, und daß er die bunte Musterkarte von allen seinen Tugenden recht mit Behagen vor mir ausbreitete, diente mir nur dazu, die läppischen Verhältnisse, welche die Menschen in einfältiger kindischer Tätigkeit anknüpfen, im Innersten zu belachen, und mich meiner tiefern Erkenntnis jener Verbindungen, die die Natur knüpft, und der Kraft diese zu hegen und zu pflegen, zu erfreuen. - Marien ganz in mein Selbst zu ziehen, ihre ganze Existenz, ihr Sein so in dem meinigen zu verweben, daß die Trennung davon sie vernichten muß, das war der Gedanke, der, mich hoch beseligend, nur die Erfüllung dessen aussprach, was die Natur wollte. Diese innigste geistige Verbindung mit dem Weibe, im Seligkeitsgefühl jeden andern als den höchsten ausgeschrieenen tierischen Genuß himmelhoch überflügelnd, ziemt dem Priester der Isis, und Du kennst mein System in diesem Punkt, ich darf nichts weiter darüber sagen. Die Natur organisierte das Weib in allen seinen Tendenzen passiv. - Es ist das willige Hingeben, das begierige Auffassen des fremden außerhalb liegenden, das Anerkennen und Verehren des höheren Prinzips, worin das wahrhaft kindliche Gemüt besteht, das nur dem Weibe eigen und das ganz zu beherrschen, ganz in sich aufzunehmen, die höchste Wonne ist. - Von diesen Augenblicken an blieb ich, unerachtet ich mich wieder, wie Du weißt, von dem Gute des Barons entfernte, Marien geistig nah, und welcher Mittel ich mich bediente, insgeheim mich auch körperlich ihr zu nahen, um kräftiger zu wirken, mag ich Dir nicht sagen, da manches sich kleinlich ausnehmen würde, unerachtet es zu dem vorgesetzten Zweck führte. - Maria fiel bald darauf in einen fantastischen Zustand, den Ottmar natürlicherweise für eine Nervenkrankheit halten mußte, und ich kam wieder als Arzt in das Haus, wie ich es vorausgesehen. - Maria erkannte in mir den, der ihr schon oft in der Glorie der beherrschenden Macht als ihr Meister im Traume erschienen, und alles, was sie nur dunkel geahnet, sah sie nun hell und klar mit ihres Geistes Augen. - Nur meines Blicks, meines festen Willens bedurfte es, sie in den sogenannten somnambulen Zustand zu versetzen, der nichts anders war, als das gänzliche Hinaustreten aus sich selbst und das Leben in der höheren Sphäre des Meisters. Es war mein Geist, der sie dann willig aufnahm und ihr die Schwingen gab, dem Kerker, mit dem sie die Menschen überbaut hatten, zu entschweben. Nur in diesem Sein in mir kann Marie fortleben, und sie ist ruhig und glücklich. - Hypolits Bild kann in ihr nur noch in schwachen Umrissen existieren, und auch diese sollen bald in Duft zerfließen. Der Baron und der alte Maler sehen mich mit feindlichen Blicken an, aber es ist herrlich, wie sich auch da die Kraft bewährt, die mir die Natur verliehen. Ein unheimliches Gefühl mag es sein, daß sie widerstrebend doch den Meister erkennen müssen. Du weißt, auf welche wunderbare Weise ich mir einen Schatz geheimer Kenntnisse gesammelt. Nie hast Du das Buch lesen mögen, unerachtet es Dich überrascht haben würde, wie noch in keinem der physikalischen Lehrbücher solche herrliche Kombinationen mancher Naturkräfte und ihrer Wirkung, so wie hier entwickelt sind. Ich verschmähe es nicht, manches sorglich zu bereiten; und kann man es denn Trug nennen, wenn der gaffende Pöbel über etwas erschrickt und staunt, das er mit Recht für wunderbar hält, da die Kenntnis der nächsten Ursache nicht das Wundervolle, sondern nur die Überraschung vernichtet? - Hypolit ist Obrister in . . . en Diensten, mithin im Felde; ich wünsche nicht seinen Tod; er mag zurückkommen, und mein Triumph wird herrlicher sein, denn der Sieg ist gewiß. Sollte sich der Gegner kräftiger zeigen als ich es gedacht, so wirst Du mir im Gefühl meiner Kraft zutrauen, daß etc. - -

In: E.T.A. Hoffmann, Fantasie - und Nachtstücke. Hg. und mit einem Nachwort versehen von W. Müller-Seidel, mit Anmerkungen von W. Kron. München 1976/1979. Lizenzausgabe Darmstadt 1985, S. 169 ff.

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© Dieter Schrey 2006

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