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Das
von Peter Christoph Kern verfasste Kapitel "Film" in den 2002
erschienenen "Grundzügen der Literaturdidaktik" (Hrsg. K.-M.
Bogdal/H. Korte) beginnt mit dem Satz "Eine Filmdidaktik für den
Deutschunterricht gibt es nicht", nur "Ansätze dazu" und
"vielerlei Unterrichtsvorschläge an Einzelbeispielen" - dies,
obwohl "sich jeder Deutschlehrer bewusst sein müsste, dass im
wirklichen Konsumverhalten der Schüler das Buch eine verschwindend
kleine, der Film in all seinen Spielarten vom Werbespot bis zum
Videoclip dagegen eine bedeutende Rolle spielt und dass im
Computerzeitalter ästhetische Kommunikation weitestgehend
multimedial vor sich geht" (S. 217). In seinem kurzen Abriss setzt Kern
einige wichtige Akzente, die von der Film- und Fernsehrezeption der
Schüler um die Jahrhundertwende (2000) ausgehen ("der semiotische
Sonderstatus des Films" - "filmische Basissemiotik: Zeit, Körper
und Raum" - "sozialästhetische Kompetenz und Film" -
"Themenfelder/Anwendungsbereiche: Verfilmungen - Klassiker und
Intertextualität - Genres, Serien und Musterbildung - Zappen und
Big-Brother-Effekt").
Der
vorliegende Beitrag ist in den 80er Jahren entstanden als Versuch, die
theoretischen Grundlagen für eine "Film-Sehschule" zu reflektieren, die als Abfolge
der Medienkapitel
in den 6 Bänden für die Klassen 5 - 10 eines gymnasialen Lesebuchs
konzipiert war ("Lesezeichen", Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1982 ff.).
Obwohl - wie die Literaturangaben (s.u.)
ausweisen - der Stand der
wissenschaftlichen und didaktischen Diskussion der letzten Jahre nicht
berücksichtigt ist (s. dazu jedoch die Literaturangaben in Kerns
Abriss), halte ich es für
sinnvoll, den bisher
unveröffentlichten Beitrag 2006 ins Netz zu stellen. Nachdem in
den letzten Jahren im Zusammenhang der
vordringlichen didaktischen Beschäftigung mit den Neuen Medien
einerseits und mit den Konsequenzen aus den PISA-Ergebnissen
andererseits die
Didaktik der AV-Medien in den Hintergrund getreten ist, scheint es nach
wie vor notwendig, sich grundsätzlicher Prämissen der
Filmdidaktik im Rahmen der Deutsch- bzw. Literaturdidaktik zu
vergewissern - aufbauend auf den filmdidaktischen
Arbeiten von Wolfgang Gast ("Filmanalyse", in "Praxis Deutsch", Jg. 23,
H. 140, 1996, S. 14 - 25 sowie "Film und
Literatur. Grundbuch. Einführung in
Begriffe und Methoden der Filmanalyse", Frankfurt am Main 1993) und den
Film- und Fernsehanalysen von
- Knut Hickethier , "Film- und Fernsehanalyse", 2.
Aufl., Stuttgart 1996,
- Werner Faulstich, Grundkurs
Filmanalyse, Paderborn (UTB) 2002,
- Thomas Kuchenbuch, Filmanalyse. Theorien
Methoden Kritik, Wien (UTB) 2005.
Ich weise
ebenfalls auf die beiden sehr empfehlenswerten Hefte in den
"Kursthemen
Deutsch" (Cornelsen) hin: "Literaturverfilmung: Adaption oder
Kreation?" (E. Kötter/A. Wagener, 2001) und "Spielfilmanalyse: Mythos und Kult"
(E. Kötter/Ph. Schmolke, 2004).
Mit einer ähnlichen Zielsetzung wie der vorliegende Beitrag
plädiert Thomas Zabka in seinem Aufsatz "Wie?- Was?: Formanalyse
und Inhaltsangabe als Bestandteile und Probleme ästhetischer
Bildung" (in: H. Jonas/P. Josting [Hrsg.], Medien -
Deutschunterricht - Ästhetik, München 2004, S. 251 - 262)
für eine "analytische Rückführung der Wahrnehmungen,
Gefühle und Vorstellungen, des Verstehens und Nichtverstehens, des
Gefallens und Missfallens" im Zusammenhang des Umgangs mit Filmen
im Deutschunterricht.
(Abstract:)
Der folgende Beitrag geht von der These aus, dass nicht nur
Literaturverfilmungen (und nicht nur Fernseh-Serien), sondern
Spielfilme überhaupt (auch) Gegenstände des
Literaturunterrichts sein sollten: als Erzählungen in einem
AV-Medium. Daraus wird die Konsequenz gezogen, die medienspezifische
Erzählweise des Spielfilms und die ihr entsprechende Rezeption
ansatzweise darzustellen. So sollen Voraussetzungen
dafür erarbeitet werden, dass die unterrichtliche
"Verarbeitung" der Filmrezeption eine adäquate Transformation in
das Medium der Sprache (oder auch in andere Medien) sein kann.
Ergebnisse der Semiotik und der
Erzählforschung werden unter dem Aspekt von Zuschauer-Kompetenzen
interpretiert. Angesichts des großen Abstands zwischen dem
Erleben filmischer Fiktion und einer an sprachlichen Allgemeinbegriffen
orientierten Interpretation werden einerseits Möglichkeiten einer
Einübung in angemessenes Verbalisieren von Filmerfahrung und
andererseits Möglichkeiten für eine Erweiterung der
"Anschauungs-" und der "Wahrnehmungs-Kompetenz" skizziert.
Kritische
Reaktionen sind erwünscht.
1.
Aufgabe
der Fachdidaktik Deutsch
[...] Seit über einem Jahrhundert
gibt es die "Kinematographie" als "eine eigene, unabhängige Kunst,
die vom Theater wesentlich verschiedene Methoden verwendet und eine
völlig neue Formsprache spricht"3,
gibt es - nach Béla Balázs - eine in Wechselwirkung mit
der neuen "visuellen Kultur" stehende "Entwicklung der menschlichen
Empfindungsfähigkeit"4 und - seit
einigen Jahrzehnten - Filmästhetik, Filmwissenschaft und
Filmkritik, die sich parallel zu Literaturwissenschaft und
Literaturkritik entwickeln; seit einem halben Jahrhundert gelangen die
Kino-Spielfilme der Filmgeschichte und die neuen Fernsehspiele
täglich in fast jeden Haushalt. Ich gehe im Folgenden von der
Grundthese aus, dass Spielfilme, gleich welcher
ästhetischen Modalität und Relevanz, Erzählungen
sind, dass sie Geschichten erzählen wie die vergleichbaren
literarischen Texte im Medium Buch und dass sie daher wie diese genuine
Gegenstände des Literaturunterrichts sind. Natürlich sind die
medialen Unterschiede im Geschichten-Erzählen groß; eine
"vergleichende Ästhetik der Medien Film und Literatur"5, eine kontrastive Semiotik und
Erzählforschung, hat hier ihre Aufgaben. Eine Spielfilmdidaktik im
Rahmen der Literaturdidaktik muss sowohl die Gemeinsamkeiten der
"narrativen Kommunikate" als auch ihre medialen, modalen und
Gattungsunterschiede berücksichtigen und daraus ein Konzept
für die Realisierung dessen erarbeiten, was W. Faulstich "die
Überwindung des Bild-Analphabetismus" als Bestandteil der
"kommunikativen Kompetenz" genannt hat6 und
was den Schülern die Möglichkeit gibt, "Filme so zu
akzeptieren, wie sie auch Romane und Dramen akzeptieren lernen
(sollen): als eine legitime Stufe ästhetischer Auseinandersetzung
mit der Realität"7. Die vorliegenden
Ausführungen bieten in der gebotenen Kürze nur grobe Umrisse.
2.1
Erzählkommunikation: Rezeption und Verarbeitung
Ich gehe im Folgenden davon aus, dass
literarische Erzählungen und Spielfilme gleichermaßen als
Kommunikate im Rahmen der literarischen Kommunikation gelten, und zwar
als fiktionale Kommunikate. Zu ihren Charakteristika
gehört dann, dass der Autor hier nicht explizit redet, sich nicht
intentional über einen Sachverhalt so äußert, dass er
von ihm etwas Bestimmtes meint, über ihn in einer bestimmten
Hinsicht urteilt, dass er sich vielmehr eines solchen Subjekt-Seins
begeben hat und
(1) als "Schreiber" (bei
schriftlich fixierten Erzählungen) bzw. als "Aufzeichner"
(bei Filmen)8
(2) einen impliziten oder expliziten Erzähler und
(3) dessen Figuren
reden und handeln lässt.
Ich gehe ferner davon aus, dass im Rahmen
der Erzählkommunikation der Vorgang der Rezeption dem der
Produktion korrespondiert, d.h. dass auch der Rezipient fiktionaler
Kommunikate zeitweise sein sachbezogenes Subjekt-Sein suspendiert und
auf den ins Werk eingegangenen Rollen-Ebenen mitspielt: in den drei
Funktionen, die vorgreifend als
(1) Wahrnehmung,
(2) Anschauung und
(3) Partizipation
bezeichnet werden können.
Diese Suspension wird im Regelfall
implizit beendet, auf dem Wege des Rezipienten von der
literarisch-fiktionalen in die Sachkommunikation des Alltags, also mehr
oder weniger unmerklich. In besonderen, noch zum Bereich der
literarischen Kommunikation gehörenden Situationen, u. a. im
Literaturunterricht, kann die Rezeption übergehen in ein
explizites Verfahren, in ein explizites "Autor"-Sein des Rezipienten,
wenn er nämlich schriftlich oder mündlich, monologisch oder
dialogisch, eigene Texte formuliert, die seine eigene Rezeption bewusst
zu verarbeiten versuchen. Für eine Didaktik fiktionaler
Kommunikate ist dieser Übergang von der Kommunikat-Rezeption
zur Kommunikat-Verarbeitung m. E. der springende Punkt: Hier
stellt sich die Frage nach den Transformationsregeln9,
nach denen diese "Autoren" (also z.B. Schüler und Lehrer) faktisch
verfahren bzw. verfahren können, wenn sie aus dem Kommunikat, das
sich in ihrem Bewusstsein realisiert hat, eigene Texte machen. Gerade
weil der ursprüngliche Autor der Erzählung seine
textunabhängige, "ich selbst" sagende Funktion in das Kommunikat
hinein entäußert hat, ist zu fragen, aufgrund welcher
Regularitäten und mit Hilfe welcher Kompetenzen die in Texten
stattfindende bewusste Kommunikat-Verarbeitung die vorausgehende
Kommunikat-Rezeption auf einer anderen Kommunikationsebene abbilden
kann, während sie sie transformiert.
2.2
Literaturunterricht: Rezeptionskompetenz und Verarbeitungskompetenz
Mit der Unterscheidung von Rezeption und
Verarbeitung beziehe ich mich auf S.J. Schmidt, der streng zwischen
Text-Rezeption und Verarbeitung der Rezeptionsresultate trennt
(Grundriss der empirischen Literaturwissenschaft10).
Er geht davon aus, dass "ein Text erst einmal rezipiert (bzw.
umgangssprachlich gesprochen: 'verstanden') sein muss, ehe man ihn
verarbeiten kann"11 und dass jeweils nicht
ein "objektiver" Text verarbeitet wird, sondern eben das Resultat der
Rezeption: der Text im Bewusstsein des Lesers. Dann können
"Verarbeitungsoperationen als intentionale Handlungen
erscheinen, die Teilnehmer an Literarischer Kommunikation vornehmen, um
Verarbeitungstexte zu produzieren"12.
Schmidt definiert fünf verschiedene Verarbeitungsoperationen:
- zunächst (als Nullstufe) das
spontane "Kommunikatverbalisieren" (erhebbar durch mündliche oder
schriftliche Kommunikatprotokolle),
- dann das "Kondensieren" (die Reduktion z.B. einer Erzählung auf
"Makrostrukturen" der erzählten Geschichte),
- schließlich das "Beschreiben", das "Bewerten" und das
"Erklären"13, also das, was -
zusammen genommen - traditionell "Interpretation" genannt worden ist.
"Interpretation ist dabei aber nur ein "Modell" unter mehreren
"Modellen" von "Verarbeitungshandlungen"; außer ihr sind z.B.
Inszenierung, Übersetzung, Verfilmung, Kritik, Kommentar usw. zu
nennen.13a
Im Literaturunterricht finden i. a. sowohl
Literaturrezeption als auch Literaturverarbeitung statt, aber doch wohl
so, dass Prozesse der Verarbeitung ablaufen, die jeweils Rezeptionsresultate
voraussetzen. Bei textuellen Erzählungen
können in die Verarbeitungsoperationen immer wieder neue
(partiale) Textrezeptionsphasen eingeschaltet werden, wie auch
umgekehrt die Rezeption prinzipiell jederzeit unterbrochen werden und
in explizite Verarbeitungsoperationen übergehen kann. Bei
Spielfilmen ist beides, entsprechend ihrer zeitlich festgelegten
Rezeption (s. u.), i. a. kaum möglich. Auf die Konsequenzen dieses
Sachverhalts für eine Spielfilm-Didaktik werde ich noch näher
eingehen.
Als Lernziele des Literaturunterrichts
ergeben sich aus diesem Ansatz ganz allgemein
- die Erweiterung der (mehr oder
weniger schon vorhandenen) Rezeptionskompetenz und
- der sukzessive Aufbau einer Verarbeitungskompetenz.
Die Rezeptionskompetenz mag zwar durch
Rezeption selbst gesteigert werden können; im Unterricht
wird die Erweiterung dieser "primären" Kompetenz wohl v. a. durch Verarbeitungsoperationen
geleistet werden, die ihrerseits natürlich zum Aufbau und Ausbau
der Verarbeitungskompetenz beitragen. Rezeption ohne Verarbeitung ist
möglich und scheint ihren Sinn in sich bzw. in der kaum plan- und
kontrollierbaren Umsetzung in Einstellungen und Verhaltensdispositionen
in der alltäglichen Lebenswelt zu haben. Verarbeitung ohne
vorherige Rezeption ist nicht möglich. Ihr Sinn liegt
- zunächst in ihrer subsidiären Funktion für die
individuelle (partiale) Zweitrezeption des gleichen Werks oder die
Primärrezeption des nächsten vergleichbaren Werks,
- vor allem aber natürlich in dem in der Verarbeitung
hergestellten Produkt selber und in dem damit verbundenen "Autorsein"
- sowie in der im Rahmen des Unterrichts stattfindenden
literarischen Kommunikation als einem Bestandteil der literarischen
Kommunikation im allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenhang.
Wichtig ist es darauf hinzuweisen, dass Verarbeitung
nicht einseitig als kognitiver Vorgang reklamiert werden darf, sondern
zu verstehen ist als jeweils näher zu spezifizierende produktive Transformation
- entweder innerhalb des gleichen Mediums von einem "Diskurs" in den
anderen (z.B. von der rezipierten gedruckten Erzählung zum
verarbeitenden mündlichen oder schriftlichen Erzählkommentar
des Rezipienten in der Rolle eines expliziten Erzählers) oder
über die Grenzen des Ausgangsmediums hinweg in Form einer bis in
syntaktische Mikrostrukturen hineingehenden Übersetzung (z.B. vom
Film zum Text oder umgekehrt). Mit dem Begriff der Verarbeitung ist
zunächst noch keine bestimmte Aussage über den Grad und den
Modus der Explizität verbunden, in der die Verfahren der
Transformation im Unterricht stattfinden können - darüber,
was sich gegenüber der fiktionalen Ausgangssituation ändert,
was verloren geht, was hinzukommt.
3.1
Fiktionalität: "naturalisierende" Tendenz
Die vorangegangenen grundsätzlichen
Überlegungen waren notwendig, weil sich m. E. nur auf der Basis
der Unterscheidung von Kommunikat-Rezeption und Kommunikat-Verarbeitung
und der Frage nach der zwischen ihnen stattfindenden Transformation die
spezifischen Probleme einer Spielfilm-Didaktik lösen lassen.
Film-Rezeption verläuft zwar im Rahmen der für
Erzählkommunikation allgemein geltenden Regularitäten,
parallel zur Lese-Rezeption, aber sie verläuft auf eine
völlig andere Art und Weise. Diese, die ihr entsprechenden
Regularitäten und Kompetenzen, sind zu rekonstruieren. Dann erst
lässt sich etwas Genaueres sagen über die Ziele einer
filmadäquaten textuellen Verarbeitung im Unterricht, die
ihrerseits wieder zurückwirken kann auf die individuellen
audiovisuellen Rezeptionen.
Wenn Erzählungen als fiktionale
Kommunikate verstanden werden, heißt dies u.a., dass sie das,
was sie zu sagen haben, grundlegend anders als pragmatische Texte
mitteilen (s. o.). Der Rezipient, der sich auf die Fiktionalität
der Texte einlässt, setzt von vornherein die bei Sachtexten
selbstverständlich geltende Konvention der Referentialität
außer Kraft, d.h. er verzichtet auf eine "in seinem Bezugsfeld
gründende Überprüfung des Wahrheitsgehalts dessen, was
mitgeteilt wird"14. Stattdessen ordnet er
bei der Lektüre bzw. beim Zuschauen dem Kommunikat nach dessen
Maßgabe einen eigenständigen Referenzbereich zu, der
"innerhalb" des Kommunikats selbst liegt. Wenn er in diesem Rahmen
mitspielt, "tritt der Rezipient [...] aus seiner unmittelbaren und
durch vielfältige anderweitige Lebensbezüge, Rollen und
Funktionen bestimmten Situation heraus und in die ästhetisch
konstituierte Situation hinein. Durch dieses probeweise Eingehen auf
die vom ästhetischen Produkt her nahe gelegte Rolle [...] wird die
Situation fiktional."15
Das heißt: Der Zuschauer, der sich
auf den Spielfilm als fiktionales Kommunikat einlässt, spielt das
Spiel der Film-Figuren und das des Film-Erzählers mit: er tut so, als
ob das Erzählte/Gezeigte wirklich geschehen würde, und er
tut nur so, als ob es geschehen würde. Durch
das Zusammenwirken beider Momente der Simulation erhält er
Freiraum zum Durchspielen und Erproben der verschiedenen medial
dargebotenen Rollen. Die beiden Momente oder Richtungen von
Fiktionalität lassen sich mit Begriffen von R. Barthes, die U. Eco
aufgreift, als "naturalisierende" und "kulturalisierende"
("intellektualisierende") Tendenz deuten,16
wobei die "naturalisierende", mit ihrem Verzicht auf die
Explizität der Rede und ihrem Entwurf einer quasi-realen Welt analogisch
bzw. ikonisch verfahrende Tendenz die andere, digital verfahrende,
tendenziell vereindeutigende ("kulturalisierende") Tendenz dominiert.
Die Untersuchung der filmischen Fiktionalität wird zeigen,
dass in ihr diese für Erzählungen allgemein geltende Dominanz
der "naturalisierenden" Tendenz noch einmal verstärkt auftritt
- freilich ohne dass die "kulturalisierende" Tendenz
gänzlich ausgeschaltet wäre (s. u.).
3.2
Film-Fiktionalität - filmische Diegese
Die "naturalisierende" Tendenz der
Erzählkommunikation drückt sich darin aus, dass das
Interesse der Rezipienten nicht, wie in der pragmatischen
Kommunikation, auf die Signifikate, die allgemeinen Bedeutungen
der Zeichen, sondern überwiegend, tendenziell sogar
ausschließlich auf die Referenten, die Zeichenobjekte im
Prozess der Zeichen-Kommunikation (Semiose) gerichtet ist.19 Während in der Sachkommunikation die
Teilnehmer i.a. die außerhalb der Texte liegende Existenz der
Zeichenobjekte, von denen in den Texten die Rede ist,
unterstellen und sich über die Zeichenträger/Signifikanten
an der Oberfläche der Kommunikation hinweg auf die jeweils
verhandelten Signifikate konzentrieren, geht im Gegensatz dazu
in der fiktionalen Kommunikation die Aufmerksamkeit, ausgehend von den Signifikanten,
über die allgemeinen, von der Kommunikationssituation
unabhängigen Signifikate hinweg auf die fiktionalen Zeichenobjekte/Referenten.
Zwar wird deren reale Existenz nicht unterstellt, aber
stattdessen statten die Rezipienten sie mit dem Realitätsgehalt
ihrer eigenen, gelebten Erfahrungen aus. Die Intensität dieses
Vorgangs - den gegebenen Zeichen Bezugsobjekte zu unterschieben, die
Zeichen das nicht nur bedeuten, sondern sein zu lassen,
was sie zeigen - wird nun allerdings entscheidend beeinflusst
von der Art des Zeichensystems, in dem die Zeichen auftreten.
Die der Wahrnehmung sich darbietenden Signifikanten des symbolischen
Zeichensystems der Sprache zeigen z.B. schwarze Buchstaben auf
weißem Papier - erst die mentalen Bilder, die sich während
der Lektüre über die Vermittlung der Signifikate im Inneren
ausbilden, beanspruchen, das zu sein, zumindest zu meinen,
was sie zeigen. Dagegen tendiert die "normale"
Spielfilm-Rezeption aufgrund der Ikonizität der sie
konstituierenden Zeichen dazu, die Zeichenhaftigkeit der Kommunikate
vergessen zu machen zugunsten einer Quasi-Unmittelbarkeit des Erlebens.
Dass z.B. sichtbare Bildinhalte "Sierra Nevada" bedeuten, ist
unerheblich angesichts der Tatsache, dass sie die "wirkliche" Sierra
Nevada zeigen und erfahrbar zu machen scheinen.
Gegenüber Erzählkommunikaten mit stehenden Bildern tritt
diese Tendenz beim Film in extremer Ausprägung auf: Der
spezifische. "Diegese-Charakter"
der filmischen Fiktion21, der durch
die Projektion der bloß zweidimensionalen Bildlichkeit auf die
Zeitachse22 und durch die nicht nur
fiktive Realität der Lichtbewegungen auf Leinwand oder Bildschirm23 zustande kommt, erzeugt bei den Rezipienten
den Eindruck der unmittelbaren Erfahrung von Realität,
einer Realität, die unmittelbar mit "uns" etwas zu tun
hat, da sie "nur durch uns geschaffen wird, durch die Projektionen und
Identifikationen, die sich unter unsere Perzeption des Films mischen"24.
4.1
Filmerfahrung im Unterricht: Verbalisierungskompetenz
Literaturunterricht, der Spielfilme
"behandelt", muss dieser filmischen Art von Fiktionalität gerecht
werden.
(1) Das betrifft erstens die Rezeption
selbst: Bevor der Literaturunterricht die Rezeption durch
Verarbeitungsoperationen transformiert, muss er zuallererst die "Projektionen
und Identifikationen" zustande kommen lassen, und zwar -
ungesteuert - in der Filmrezeption selbst. D.h., er muss sich vor
schnellen "Intellektualisierungen" hüten, die nicht nur die
unterrichtliche Verarbeitung der Rezeptionseindrücke, sondern
schon die Primärrezeption in Rationalisierungen, in das Netz der
gesellschaftlich geltenden Signifikate abzudrängen versuchen, in
einer Flucht vor der Filmerfahrung als einer wirklichen Erfahrung.
2) Wenn es zweitens um die Frage nach
solchen transformierenden Kompetenzen auf der Ebene der expliziten
Verarbeitungsoperationen geht, die der filmischen Steigerungsform der
analogischen Kommunikation, der reproduzierenden diegetischen
Darbietung, adäquat sind, gibt vielleicht M. Rutschkys an S.
Kracauer orientierte Formel "Wahrnehmung, Erfahrung, Anschauung -
nicht Interpretation"25 eine Antwort.
Dass diese Formel nicht auf Sprachlosigkeit hinausläuft, sondern
auf Alternativen des rezeptionsverarbeitenden Redens, die Filmerfahrung
als visuell vermittelte Erfahrung wiederzugeben versuchen, wird
deutlich, wenn Rutschky in seinem Buch "Erfahrungshunger" (im Kapitel
"Die Allegorese des Kinos") ein solches Reden, eine solche
"Gesprächsform", beschreibt. Das, was er über
seine eigenen Unterhaltungen mit Freunden und Bekannten nach
Kinobesuchen in den 70er Jahren mitteilt - bezogen also auf private
Gespräche
unter Studenten, nicht uSchülern im Unterricht, auf Filme im
Kino und nicht in der Schule -, lässt sich mutatis mutandis
auf Unterricht übertragen26:
"Bemerkenswert an dieser
Gesprächsform ist, dass in ihr der Film nicht im gewohnten Sinn
interpretiert und kritisiert wird, er wird nicht auf politische,
moralische oder philosophische Begriffe gebracht und diskutiert:
"Marlon Brando, das ist hier der traditionelle Mann, der Maria
Schneider als einen neuen Typus von Frau nicht akzeptieren kann" - das
ist eine These, die diese Gesprächsform zwar nicht
ausschließt: aber sie bleibt darin eigentlich unfruchtbar. [...]
Ich möchte jener Gesprächsform aber noch ein anderes Modell
ablesen: sie erinnert an den Austausch von Reisenden, vielleicht sogar
Forschern, die einander ihre Fundstücke vorführen und
Beziehungen zwischen ihnen herstellen; dabei ist weder die
ästhetische oder normative Geltung der Fundstücke das Thema,
eher ihre einfache, wahrnehmbare Existenz. Diese Wahrnehmung unter
ästhetischen und normativen Gesichtspunkten zu debattieren, damit
verfehlt man sie in der Schicht, wo sie ihre Geltung entfaltet."27
Da kann dann die Rede davon sein, dass im
Vergleich etwa zu I. Bergmans oder M. Antonionis "Kunstfilmen" "das
Wagenrennen in William Wylers 'Ben Hur' bedeutender war, auch die
merkwürdige Verbindung von bitterem Gesichtsausdruck und massiver
Fleischlichkeit von Charlton Heston", oder es ist die Rede von dem
"sättigenden Blick auf die Sierra Nevada, das Gesicht von Gregory
Peck"28. Und über M.Scorseses "Taxi
Driver" heißt es u. a.:
"Der junge Mann, der wenig spricht, durch
Sprechen wenig über sich mitteilt, ebenso wenig durch seine Mimik,
[...] was er zeigen kann, ist ein merkwürdig automatisches, wie
von außen erwartetes, defensives Grinsen - dieser Mann wird in
New York Taxifahrer, und ich habe erst hier richtig gesehen [ ! ], wie
Autofahren die Depression lindern kann: die ziellose Bewegung durch die
Straßen, Bewegung als solche, möglichst nachts, wo auch die
innere Finsternis am schwersten sein mag, und dem Taxifahrer bleibt die
Entscheidung für den Ausgangspunkt der Fahrt ebenso erspart wie
die für das Ziel. [...] 29
Zwar wird die Erfahrung, "wie Autofahren
die Depression lindern kann", in dieser Formulierung auf den
Allgemeinbegriff gebracht, aber wichtiger ist es, dass hier von einer
wirklichen Erfahrung durch Filmrezeption berichtet wird.30
Die Zitate bieten bei aller Konkretheit
elaborierte Sätze eines "professionellen Literatur-Verarbeiters".
Für Gespräche im Unterricht, in denen von gemeinsam
angeschauten Filmen die Rede ist, stellt sich das Problem, dass sie die
Fähigkeit zur Verbalisierung von diegetischen Erfahrungen
eigentlich voraussetzen, die durch sie allererst entwickelt werden
kann. Aber dieser Zirkel ist unvermeidlich, wenn im Laufe einiger Jahre
die nötige Sensibilität und Sprachkompetenz überhaupt
erreicht werden soll. Unabdingbare Voraussetzung für eine
Diegese-Verarbeitung im Literatur-Unterricht wird jedenfalls das
Vorhandensein des Bedürfnisses nach sprachlicher Verarbeitung
sein. Ein solches Bedürfnis ist dann authentisch, wenn es
gerade aus der Eindringlichkeit der spezifisch filmischen Rezeption
erwächst, mit der so leicht keine Form der Verbalisierung
mithalten kann. Einer Spielfilm-Didaktik, die hier nicht
inadäquate Operationalisierungen anstrebt, könnte empirisches
Material, könnten also Rezeptionsprotokolle30a
und Transkriptionen von Unterrichtsgesprächen am ehesten
weiterhelfen.
(3) Bei dem dargestellten, nach S.J.
Schmidt auf der Nullstufe der Verarbeitungsoperationen verlaufenden
"Kommunikatverbalisieren" mag das "Wahrgenommene, Erfahrene,
Angeschaute" in spontan mitteilende Sprache transformiert werden. Das,
was die visuellen Wahrnehmungen und Anschauungen zu einer authentischen
Erfahrung werden lässt, sind die "Projektionen und
Identifikationen", von denen Chr. Metz spricht, wenn er den
Diegese-Charakter der filmischen Fiktionalität beschreibt (s.o.).
Die in die Rezeption einfließenden Formen der Übertragung
werden im Zuge des Verbalisierens zunächst wohl implizit
bleiben, jedenfalls solange, bis - entsprechend der Altersstufe der
Rezipienten, in Verfolgung der "kulturalisierenden" Tendenz -
das Bedürfnis nach Explizität auch hier auftritt. Die
Implizität der Projektionen, Introjektionen oder Substitutionen31 im Vorgang auch der Kommunikatverarbeitung
bietet die Chance der abarbeitenden Wiederholung dessen, was zuerst
schon durch die Filmrezeption ermöglicht wird und was sich
- im Anschluss an die psychoanalytische Spieltheorie32
- als kathartische Wirkung deuten lässt.
4.2
Film-Erfahrung als "Zeichen-Wahrnehmung"
In Anlehnung an den Psychoanalytiker N.N.
Holland und an P.G. Cressey beschreibt W. Faulstich in seiner
"Einführung in die Filmanalyse" die Filmrezeption so, dass "der
Film [...] gewissermaßen als Traum-Vorgabe (fungiert), die ich
mehr oder weniger intensiv mitträumen kann"33.
"Der Film stellt [...] eine Spiel-Situation dar, auf die sich der
Zuschauer dadurch einlässt, dass er das 'Als-ob' akzeptiert. Eben
wegen dieses Spielcharakters [...] lockert sich die Zensur [...]:
Unbewusstes, Emotionales kann gefahrlos ausgelebt werden" - ohne dass
auch schon dem Rezipienten dieser Übertragungsvorgang selbst
bewusst wäre34.
Als ästhetisches Wertkriterium ergibt
sich für den Spielfilm dann die Frage nach seiner die faktischen
Rezeptionen gewissermaßen antizipierenden "Gestaltung unbewusster
Bedürfnisse und Ängste"; das ist dann die "Frage nach dem
Grad des Vergnügens, das er bereitet"35.
Dieses Verständnis der Filmrezeption
verbindet Faulstich mit einer Konzeption der Kommunikatverarbeitung,
die in drei Schritten vorgeht: Der erste Schritt besteht in der
"Fixierung des subjektiven (spontanen) Filmerlebnisses", "des Films
für mich"36. Allerdings kann sich
Faulstich eine solche Verbalisierung nicht ohne gleichzeitige
"Selbstanalyse" vorstellen, der als zweiter Schritt die "Erkenntnis der
eigenen Subjektivität als gesellschaftlich bedingter" folgt37. Der Versuch, "die Rezeption anderer Subjekte
mit der eigenen zu vergleichen", erscheint ihm nicht als Voraussetzung
der Erkenntnis, dass die eigene Subjektivität an einen bestimmten
gesellschaftlichen Standpunkt gebunden ist, sondern als ein
zusätzlicher letzter Schritt der Kommunikatverarbeitung, mit dem
abstrakten Ziel, "Filminhalte objektiver in den Griff zu bekommen".
Faulstichs Konzeption, die er nur knapp
skizziert, macht einen widersprüchlichen Eindruck: Die sehr
intellektualisierte Verarbeitung steht einer ausschließlich
"naturalisierend" verstandenen Rezeption gegenüber, ohne dass
Vermittlungsstufen erkennbar wären. Eine derart die
Übertragungsvorgänge akzentuierende Rezeption mag ihr Recht
haben. Aber Faulstichs Darstellung erweckt den Anschein, als ob
Erzählkommunikation im Film überhaupt nur auf der
Figurenebene ablaufen würde, als ob bei der Rezeption nicht auch
andere Kompetenzen im Spiel wären, die über die der
Partizipation am Handeln der Figuren hinausgehen. Die anderen Ebenen
der Erzählkommunikation sind zwar indirekt in dem Kapitel
"Filmsprache" der "Einführung in die Filmanalyse" Faulstichs
mitgemeint, haben dort vielleicht auch etwas mit der Filmproduktion,
aber anscheinend nichts mit der Rezeption zu tun. Das hat zur Folge,
dass die Verarbeitung als "Rezeptionsanalyse" nur die
eingeschränkte Rezeption abbilden kann und auf diese Weise den
Anlass geboten bekommt, die Rezeption einer kritischen (Sozio- und
Psycho-) Analyse zu unterziehen.
Rezeption von Erzählkommunikaten kann
zwar so ablaufen, dass die Ebenen der Anschauung und Wahrnehmung (s.u.)
weitgehend ausgeblendet werden. Aber eine Theorie der Filmrezeption und
-rezeptionsverarbeitung sollte zunächst einmal die Regularitäten
der filmischen Erzählkommunikation aufklären, also
darstellen, was zu einer Rezeption gehört, die die
Möglichkeiten der Kommunikation auf allen Ebenen nutzt,
bevor sie von den Aufgaben der Kritik redet. Gerade so würde das
Geschäft der Kritik ernst genommen.
R.
Barthes und U. Eco reden von der "Zirkularität" bzw.
"Komplementarität" der beiden gegenläufigen Tendenzen innerhalb
des Bereichs der analogischen Kommunikation (s.o.). Die
naturalisierende Tendenz hat sich - bezogen jedenfalls auf den Film -
als Bedürfnis nach unmittelbarer, nicht traumatisierender
Erfahrung herausgestellt. "Unmittelbarkeit" bedeutet dabei die Utopie,
dass in einer Welt, die kaum noch irgendwo authentische Erfahrung
zustande kommen lässt, das Zeichen nicht mehr nur Zeichen sein
möge (sondern dessen irgendwie existierender Referent). Auch die
andere, die "kulturalisierende" Tendenz nun scheint mir auf sinnliche
(ästhetische) Erfahrung hinauszulaufen, allerdings nicht
ausgerichtet auf fiktive Referenten, sondern auf die in den
bildlichen, filmischen Zeichen manifesten Signifikanten, die
materiellen Zeichenkörper, so dass die Zeichen wirklich Zeichen
bleiben. "Filmwahrnehmung ist also immer Wahrnehmung von
Zeichenstrukturen, d.h. Wahrnehmung von semiotisiertem Geschehen."38 Ohne diese "Re-Semiotisierung" der
fiktionalen Kommunikation würde für Film-Erfahrung gehalten,
was in Wirklichkeit Film-Illusion wäre. Die extrem
naturalisierende Tendenz der filmischen Diegese gibt "von sich aus" die
Rezeptionsprozesse auf den Ebenen der Wahrnehmung und Anschauung nicht
frei, sondern dominiert sie und benutzt sie als automatisierte Mittel
zur Konstitution der Ebene der Partizipation. Hier liegt damit ein
weiterer Ansatzpunkt für eine didaktische Theorie der
Filmrezeptions-Verarbeitung: Die Kompetenzen der Wahrnehmung und der
Anschauung, wenn sie nicht nur im Dienst der Partizipation stehen,
sondern eigene Möglichkeiten der Filmerfahrung eröffnen
sollen, müssen durch Lernprozesse bei der Kommunikat-Verarbeitung
freigesetzt und entwickelt werden. Zu einer Klärung der Aufgaben,
die sich von diesem Punkt aus ergeben, erscheint es notwendig, einige
wichtige Ergebnisse der Erzählforschung heranzuziehen und in einem
filmsemiotischen Rahmen für die Spielfilm-Didaktik fruchtbar zu
machen.
5.1
Erzählkommunikation auf drei Ebenen
Die neuere Erzählforschung geht von
text- bzw. kommunikat-internen und -externen Ebenen der narrativen
Kommunikation zwischen Autor und Rezipient aus. Während die beiden
kommunikatexternen Ebenen auf der Seite des Autors, einerseits der
literatur- oder filmgeschichtliche, andererseits der realgeschichtliche
Kontext, eher zur Stufe einer elaborierten literarischen Kompetenz
gehören, in die Primärrezeption also erst allmählich
durch gezielte Kommunikatverarbeitung (z.B. im Literaturunterricht)
einzuschleusen sind, sind die kommunikatinternen Ebenen39 als solche in jedem Fall rezeptionswirksam.
Als intern werden in der Erzählforschung i. a. drei Ebenen
benannt: die beiden Ebenen des "Erzählten" und des
"Erzählens" und ihrer Entsprechungen auf der Seite der Rezeption,
als dritte Ebene
- entweder eine abstrakte Ebene
"über" der des "Erzählten", die Ebene des "abstrakten Autors
und Adressaten" bzw. des "Erzählkonzepts"40,
- oder eine konkrete Ebene "unter" der des
"Erzählens", die Ebene der "sprachliche(n) Realisierung der
Narration in einer bestimmten Sprache und einer bestimmten Form des
Ausdrucks"41. Ich schließe mich dem
u. a. von Todorov und Genette beeinflussten Modell von R. Kloepfer an,
der zwar auch von einem "Bezug zu einer übergeordneten Einheit"42 ausgeht, diese "Einheit" aber als "evaluative
Funktion" jeder der drei anderen Ebenen zuordnet43.
Im Anschluss an das Kloepfersche Modell
(s. http://home.bn-ulm.de/~ulschrey/literatur/erzaehlstrukturen.pdf)
lässt sich sagen: Erzählungen spielen auf drei Ebenen, auf
der
- Ebene der erzählten Figuren,
ihrer Handlung, ihrer "Welt" (Ebene der "Geschichte": "Makrostruktur")
- Ebene des fiktiven Erzählers,
seiner Perspektive auf die Welt der Figuren, seines Umgangs mit der
erzählten Zeit und anderer Charakteristika seines
Erzählverfahrens (Ebene der "Narration": "Diskursstruktur")
- Ebene der Text- bzw.
Film-Oberfläche, also der materialen, sinnlich wahrnehmbaren
Gegebenheit der Wörter bzw. bewegten Bildinhalte, ihrer
räumlich-zeitlichen Verknüpfung und ihrer jeweiligen
Bedeutung (Ebene des "Ausdrucks": "Mikrostruktur").
5.2
Die Codes der filmischen Erzählkommunikation
Auf allen drei Ebenen findet das Spiel der
Erzählkommunikation in jeweils spezifischen Codes und dadurch
bestimmten Regularitäten statt:
- Auf der Mikrostruktur-Ebene des
Ausdrucks gilt der vornarrative Code der Zeichen, die die
denotative Funktion erfüllen:
bei Erzählungen im Medium Buch der
"starke" Code der symbolischen Sprachzeichen mit ausgebildeter
syntaktischer und semantischer Dimension,
bei filmischen Erzählungen der
''schwache" Code der ikonischen, abbildenden Zeichen, der Bildinhalte,
denen eine auf klar unterscheidbaren Elementen aufbauende Syntax und
eine bestimmt denotierende Semantik fehlt44.
- Auf
der Diskursstruktur-Ebene gilt der nicht-sprachliche (!) Code
der Narration. Die Zeichen des narrativen Codes entwerfen, aufbauend
auf den im einzelnen denotierenden Zeichen der Ausdrucksebene,
"Hinblicke" auf die ganzheitlichen bildlichen Vorstellungen, z.B. von
Personen in bestimmten Situationen, die als Zeichen auf der Ebene der
Geschichte fungieren. Sie selber sind nicht wie diese ikonische,
sondern wohl "indizielle" Zeichen, Zeige-Zeichen, „deren allgemeines Signifikat sich
beschreiben lässt als 'Richte deine Aufmerksamkeit auf jenes
Wahrnehmungsfeld und bringe dort eine aktuelle Wahrnehmung des
Bezugsgegenstandes zustande'"45. Sie
enthalten also sowohl eine Konsequenzanweisung an die Zuschauer bzw.
Leser ("Schau hin!") als auch eine Referenzanweisung (etwa: "Das da!")
auf die Welt der Fiktion.
- Auf der Makrostruktur-Ebene der
Geschichte handelt es sich um die ikonischen (!) Zeichen der inneren
"mentalen Bilder" (Perzepte)46; für
die Zeichen der Narrations-Ebene fungieren sie als deren
Bezugsobjekte/Referenten. Sie gehören zu den verschiedenen Codes,
die in der fiktionalen Welt gelten: den verschiedenen
nicht-sprachlichen kulturellen Codes der Gestik, Mimik, der
konventionalisierten Verhaltensweisen, der Wohnung, Nahrung und
Kleidung etc. Auf dieser Ebene gilt aber auch wieder der (abgebildete)
symbolische Code der Sprache, wie er in der Rede der Figuren vorkommt47.
Diese Regularitäten bedeuten für
den Vorgang der Erzählkommunikation: Wenn die Rezipienten sich auf
die Fiktionalität eines Kommunikats einlassen, spielen sie
imaginativ drei Spiele:
- das Spiel der Figuren in deren Welt, ein
Spiel der "Partizipation, die sich gleichzeitig auf die Wahrnehmung wie
auf die Leidenschaften erstreckt"48(Partizipation)
- das Spiel der verschiedenen Hinblicke
auf die erzählte Welt, ein Spiel des ständigen perzeptiven,
emotiven (und wohl auch normativen) Wechsels der Blickpunkte und
Blickrichtungen, der Nähe und Ferne (räumlich), des Rhythmus
und des Tempos (zeitlich) (Anschauung)
- das Spiel der unmittelbaren
optischen-akustischen Sinneseindrücke und ihrer jeweiligen
Denotationen, die bei "normaler" Rezeption kaum ein Eigengewicht zu
haben scheinen (Wahrnehmung).
Keines dieser Spiele wird ohne das andere
gespielt. Jedes kann die vom Rezipienten/"Mit-Spieler" empfundene
Wirkung jedes anderen Spiels verstärken oder abschwächen.
Jeder Rezipient kann das eine oder andere Spiel besonders akzentuieren.
Alle drei Spiele zusammen bestimmen den je unterschiedlichen Grad des
ästhetischen Vergnügens der Rezipienten.
6.
"Kulturalisierende" Tendenz auf drei Ebenen
Die Aufgabe einer "Kulturalisierung", die
die Dominanz der naturalisierenden Tendenz ausgleicht und den
Filmzuschauern zu einer Rezeptionskompetenz verhelfen soll, die sie
befähigt, die eigenständigen Zeichen und Zeichenstrukturen
der Mikro- und Diskurs-Ebene nicht erst in nachträglichen
Verarbeitungsoperationen zu beachten, sondern a limine - diese Aufgabe
läuft nicht auf das Ziel hinaus, das zuvor auf der Ebene der
Geschichte analogisch Kommunizierte49 zu
digitalisieren. Wenn das der Fall wäre, würden aus
fiktionalen Referenten, also u.a. aus den Figuren der Handlung,
abstrakte Bedeutungen/Signifikate, Allgemeinbegriffe. Es geht auch
nicht um das nachträgliche Rekonstruieren und Korrigieren einer
auf die Figurenebene eingeschränkten ("trivialen")
Primärrezeption, sondern um die allmähliche Einübung
einer Grundhaltung der Aufmerksamkeit auf alle Möglichkeiten der
analogischen Kommunikation. Diese Aufmerksamkeit entspricht dann genau
der indiziellen, hinweisenden Zeichenverwendung in den Kommunikaten.
Die Einübung einer nicht mehr nur
automatisiert ablaufenden Primärrezeption geschieht in solchen
expliziten Verarbeitungsoperationen, die die Rezeption auf allen drei
Ebenen, das Spiel nach den Regularitäten aller Codes abzubilden
versuchen. Auf diese Weise können sich im Laufe der Zeit die
Kompetenz einer deautomatisierten, produktiven Anschauung und
die einer ebensolchen Wahrnehmung herausbilden, aber auch die
Fähigkeit einer neuen, anderen Partizipation. Dies soll im
folgenden in Bezug auf die drei Ebenen knapp konkretisiert werden.
Zuvor ist noch der wichtige Hinweis notwendig, dass ja die Abbildung
der Film-Rezeption durch Verarbeitungsoperationen im Medium der Sprache
stattfindet und damit eine andere Aufmerksamkeits-Kompetenz voraussetzt
bzw. (zirkulär) mitbegründet, nämlich die Kompetenz der
Aufmerksamkeit auf die von der ikonisch-diegetischen Zeichenverwendung
sich unterscheidende Verwendung der symbolischen Sprach-Zeichen,
ebenfalls auf den Ebenen der Wahrnehmung und der Anschauung. Es geht
also auch um die Aufmerksamkeit auf den sprachlichen Ausdruck und die
textuelle Narration.50
6.1
...auf der filmischen Ausdrucksebene
Am schwierigsten scheint eine
Einübung in die Beobachtung der sinnlich gegebenen
Oberflächenstruktur zu sein. Die äußere reale
Sichtbarkeit und Hörbarkeit der Ausdrucks-Materie wird von der
inneren, fiktiven Sichtbarkeit und Hörbarkeit der erzählten
Welt tendenziell verdrängt. Diese Aussage trifft so auf die
gedruckte Erzählung zu. Der diegetische Charakter der filmischen
Fiktionsbildung bietet schon der Wahrnehmung Bilder. Zwar muss auch der
Filmrezipient durch Selektion und Kombination der mannigfaltigen
sinnlichen Eindrücke produktiv eine innere "Welt" aufbauen (z.B.
angesichts einer Cinemascope-Kino-Leinwand), aber die psychologische
Täuschung der Diegese, die als "Kurzschluss"-Effekt beschrieben
worden ist51, führt dazu, dass die
Signifikanten weder für Signifikanten noch für
Repräsentanten innerer Vorstellungen, sondern unmittelbar für
Referenten, zwar abgebildete, aber existente Objekte gehalten werden.
Dieser Automatismus betrifft sowohl die Ausdrucks-Materie, also z.B.
die Wirkungen der Helligeit/Dunkelheit, der Farblichkeit, der
Rechts-Links- und Oben-Unten-Relationen, das Tempo des Schnitts etc.,
als auch die Ausdrucks-Form, also die signifizierende, denotierende
Funktion der Bildzeichen.
Der Rezipient, der dieser "Normalität"
des Zuschauens durch bewusste Beobachtung entgegenwirken will,
stößt auf eine zusätzliche Schwierigkeit, die darin
liegt, dass der Film in seinem Lauf i.a. nicht anzuhalten ist, so dass
die Rezeption der Beobachtung gewissermaßen davonläuft.
Dabei ist gerade die Ebene der Mikrostruktur die Steuerungsinstanz
nicht nur des automatisierten, d.h. durch die Konventionalität der
Codes geregelten, sondern auch eines deautomatisierten, verfremdenden
Verstehens auf allen drei Ebenen. Nur diese Ebene ist vor-narrativ,
d.h. zunächst noch nicht gebunden an die Fiktion, an deren sich
herausbildende Totalität, so dass bei einer auf sie konzentrierten
Aufmerksamkeitshaltung die sichtbaren (und dazugehörenden
hörbaren) Signifikanten an der Oberfläche des Kommunikats
Verbindungen eingehen können, die "quer" zu ihrer denotativen
Funktion im Rahmen der Geschichte und Narration liegen. Diese
innovativen Verbindungen (Syntagmen) bilden sekundäre indizielle
Zeichen, die durch ihre Signal-Wirkung funktionieren, durch ihre
"Durchbrechung von Erwartungsnormen"52.
Sie gewähren damit den Rezipienten eine Freiheit des konnotativen
Spiels, die den ohnehin gegebenen Freiheitsspielraum der
Fiktionalität noch überschreitet und die Perspektiven der
Diskursebene und die quasi-realen Figuren der Makro-Ebene zu
verändern in der Lage ist.
J. Monaco sieht in seinem sehr
instruktiven Buch "Film verstehen" (1980/Neuausgabe 2000) in der
indiziellen Zeichenverwendung die spezifische semiotische Leistung des
Films, die ihn von anderen Medien unterscheidet.53
Dem muss natürlich entgegengehalten werden, dass auch die Medien,
die auf symbolischer Basis operieren, in gleicher Weise wie der Film
solche indiziellen Zeichen bilden, ja, dass gerade darin die
Möglichkeit für die verschiedenen Verfahren der "poetischen
Semiose"54 begründet ist.
Andererseits liegt in der Leistung der verfremdenden indiziellen
Zeichen insofern doch eine Besonderheit des Films, als er durch sie die
Schwäche des ikonischen Oberflächen-Codes nicht nur
wettmacht, sondern diese Schwäche der unbestimmten Denotation
gerade als Mittel einsetzt, um eine große Vielfalt der
Konnotationen zustande kommen zu lassen.
Wenn im Literaturunterricht durch
nachträgliche Verarbeitungsoperationen das Davonlaufen der Bilder
im Tempo der Filmvorführung und damit ihr Davonlaufen in die Tiefe
der Geschichte ausgeglichen werden soll, müssen partiale und
gezielte Wiederholungen der Vorführung möglich sein (2006:
seit einigen Jahren durch Steuerung über den PC),
darüber hinaus müssen auch einzelne stehende Bilder zur
Verfügung stehen (als Fotos oder als Standbilder bei der Video-
oder Film-Vorführung), die die genaue, ruhige Wahrnehmung der
Signifikanten der Oberflächen-Struktur und die exemplarische
Erprobung nicht-automatisierter Syntagmenbildung ermöglichen.
Spielfilm-Unterricht, der sich nur auf die Erinnerungen an eine
einmalige, ununterbrochene Filmvorführung verlässt, setzt
eine bereits entwickelte Film-Wahrnehmungs- und Anschauungs-Kompetenz
voraus. Bevor sie nicht entwickelt ist, hilft ein solches Verfahren
nicht weiter als bis zur Verbalisierung der Partizipationskompetenz.
Ein Schritt über die Wiederholung der
Rezeption und über die z.B. in Einzelbildern eine Kamerafahrt,
einen Schwenk oder eine Einstellungssequenz nachzeichnende
Rekonstruktion hinaus ist die Transformation des Films oder von
Filmteilen in schematische Darstellungen. Als Abbildungen der Rezeption
des Lehrers (falls er die Zeit findet, Filmprotokolle oder
Einstellungsprofile und Montagediagramme zu erstellen54a)
oder der Autoren von Unterrichtsmaterialien haben sie den Sinn, die
eigenen Beobachtungen der Schüler auf einen festen Boden zu
stellen. Sie dürfen aber kein Ersatz sein für die
originäre sinnliche Wahrnehmung und Anschauung jedes einzelnen
Schülers. Falls Schüler selber solche Protokolle, Profile o.
Ä. herstellen, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass diese
Transformationen nicht das Vergnügen am ästhetisch Gegenstand
austreiben, sondern selber als ästhetisch relevante
Produktionshandlungen erfahren werden können.
6.2
... auf der Ebene der filmischen Narration
Auch die mittlere der drei Ebenen der
Erzählkommunikation, die der Narration, des Erzählens/Zeigens
selbst, wird bei der "normalen" Filmrezeption durch das Zusammenspiel
des auf die Fiktion gerichteten Interesses der Zuschauer mit dem sog.
"Kurzschluss"-Charakter der filmischen Bildzeichen in ihrer
Eigenfunktion tendenziell entwertet. Das ist möglich, weil der
Film-Erzähler immer impliziter, verborgener Erzähler ist55, der Zuschauer aber, der dort sieht, wo der
Erzähler zeigt56, sich in seinem
Sehen ganz und gar nicht als verborgen erfährt. Der
Filmerzähler ist weder explizit auftretender Ich-Erzähler
noch, wenn er "plausibel" erzählen will57,
im strengen Sinne auktorialer, allwissender, d.h. hier: alles zeigender
Erzähler. Als szenischer, personaler Erzähler verfügt er
nur beschränkt und auf künstliche Weise (z.B. durch
Erinnerungs-Rückblende, Einblenden von Träumen oder
Assoziationen u. Ä.) über die Möglichkeit der Innensicht
(Sicht nach innen) und damit der "Innenperspektive" (nach außen)58. Das kann im Zusammenhang der
naturalisierenden Tendenz der Rezipienten bedeuten, dass die Leistung
des Filmerzählers unterschätzt wird. Es kann scheinen, seine
Funktion bestehe darin, den Filmzuschauer zum optimalen direkten
Augenzeugen eines äußeren Geschehens zu machen, indem er ihn
jeweils in die günstigste Sichtposition bringt, für den
Überblick über das Geschehen zunächst in die Totale, zum
Identifizieren der Gestik in die "Amerikanische" usw. Dass der
Filmerzähler aber durch Kameraoperationen und Montagetechnik eine
unendliche Zahl verschiedener Sichtweisen auf die Welt der Fiktion
anbieten kann, die den Zuschauer z.B. in die Lage versetzen, aus seiner
Außenperspektive auf die äußere Welt der Figuren im
Durchspielen der wechselnden Hinblicke gerade die Innenwelt der
Figuren, die "innere Handlung" selber aufzubauen - das muss der
Filmrezipient erst kulturalisierend lernen. Natürlich erst recht
das Dechiffrieren verfremdender, also nicht "plausibler" Perspektiven
und Schnitte.
6.3
...auf der Ebene der Geschichte
Wenn es
um das Ziel der Herstellung der "vollen", nicht nur einseitigen
fiktionalen Kommunikation geht, heißt das, dass Illusion als
"Verschleierung" des fiktionalen Charakters des Spielfilms vermieden
werden soll.59 Illusion entsteht von der
Ausdrucksebene her durch die scheinbar bloß automatisierte
Durchgangsfunktion der Wahrnehmungsinhalte, von der Narrationsebene her
durch den falschen Eindruck der unmittelbaren Augenzeugenschaft, und
bildet sich dann auf der Ebene der Geschichte und ihrer Figuren in Form
unterschiedlicher Identifikationen. Bei der so verstandenen
Identifikation steht das Spiel des Rezipienten mit den gezeigten
Figuren an irgendeiner Stelle der Diegese still, der Rezipient schaltet
mögliche Varianten des Hinsehens aus und nimmt eine bestimmte
entweder wunschbesetzte ("positive") oder angstbesetzte ("negative")
Wahl bzw. Fixierung seiner Aufmerksamkeit vor. Diese Fixierung
lässt sich im Anschluss an P.G. Cressey60
als "Anpassung" verstehen, entweder im Sinne einer Projektion oder
einer Introjektion bzw. Substitution. Wenn Cressey diese Anpassungsmodi
der Filmrezeption gerade nicht als falsch oder pathologisch versteht,
sondern als notwendige Formen jeder Filmerfahrung, ist dieser
Auffassung zuzustimmen. Sie muss aber insofern ergänzt werden, als
es m.E. bei einem nicht-illusionären, also als ästhetische
Erfahrung verstehbaren Mit-Spiel der Filmrezipienten auf die jeweilige
Momentaneität dieser Identifikationen und ihren durch die
Geschichte und deren Narration angebotenen Wechsel während des
Spiels ankommt. Dann stellt dieses Spiel einer nicht-automatisierten
Partizipation im Sinne G.H. Meads nicht mehr nur das kindliche „play" dar, durch das erst noch die Balance
zwischen Ichzentrierung und Soziozentrierung gelernt werden soll,
sondern die entwickelte Form des "game", in dem der Spieler "die
Haltung aller anderen Beteiligten in sich haben muss", wenn das Spiel
gelingen soll61.
7.
Filmerfahrung im Unterricht: Wahrnehmungs- und Anschauungskompetenz
Die im Unterricht geschehende
Einübung in die genannten Kompetenzen der Wahrnehmung, Anschauung
und innovatorischen Partizipation erfordert Verfahren der
Operationalisierung62, da zu den
Kompetenzen das Verfügen über ein minimales begriffliches
Instrumentarium und bestimmte Verfahren der Filmanalyse (Filmtechnik
und Filmsemiotik) gehört. Solcher Unterricht beschäftigt sich
in lebendigem Wechsel zwischen Anschauen einer Filmeinstellung oder
-sequenz und Verbalisieren der stattgefundenen Wahrnehmungs- und
Anschauungsvorgänge mit Fragen wie z.B. den folgenden: -
- Was
(alles) habe ich überhaupt gesehen?
- Was die anderen?
- Was habe ich gesehen von den handelnden Personen: Mimik, Gestik,
Bewegungen, Blicke, Details? - Wo stand ich als "Augenzeuge" des
Geschehens? Von wo aus konnte ich die Figuren (Figur A/Figur B etc.)
sehen?
- Wie habe ich das Sehen der Figuren gesehen (von vorn, von hinten, von
"innen")?
- Wie betrafen mich die verschiedenen Richtungen des Geschehens? Wie
schnell waren die Bewegungen im Bild? Wie wurde ich an Bewegungen im
Filmbild/ an Bewegungen der Kamera beteiligt?
- Wie schnell habe ich "geschaltet" beim Schnitt zwischen zwei
Einstellungen oder zwei Sequenzen/ Szenen?
- Wie habe ich das Tempo und den Rhythmus des Wechsels der
Einstellungen empfunden?
- Woran erinnerte mich der Bildinhalt X? An irgendetwas in
früheren Einstellungen/Szenen?
- Wodurch habe ich eine „irgendwie" stärkere
Empfindung gehabt: durch Hell oder Dunkel, durch Farben? durch
Geräusche?
usw. usw.
Die Kommunikatverarbeitung, die
exemplarisch Primärrezeption einüben will, und die
Kommunikatverarbeitung, die - solche Einübungen voraussetzend -
nach der gemeinsamen Rezeption eines bestimmten Films diesen im
Unterricht durch Vergleichen und Strukturieren der einzelnen
Rezeptionsresultate zu "verarbeiten" versucht, lassen sich dem
fundamentalen Fragenkomplex zuordnen:
„In was für ein Spiel bin ich da
hineingezogen worden? In wessen Spiel? Wie habe ich mich darauf
eingelassen? Spiele ich im nachhinein noch mit?"
Die Antworten kommen aus dem Sehen und dem
Gesehenen (Gehörten), überspitzt formuliert: aus der
"körperliche(n) Welt in ihrer Sichtbarkeit, quasi jenseits von
sprachlicher, in Sprache übersetzter Bedeutung"63.
Sie sind weit entfernt von den Klassifikations- und
Interpretationsfragen und den entsprechenden Antworten:
"Was für eine
Einstellungsgröße ist das? Was für eine Perspektive?
Und was bedeutet das dann bzw. welche Absicht verfolgt damit der
Autor/Regisseur?"
Wenn auf diese Weise die Filmrezeption
nicht analysiert, sondern im Bereich literarischer, ästhetischer
Kommunikation von einem Medium in ein anderes transformiert wird,
lässt sich die Verarbeitung der Rezeption als Produktion, als
ästhetisches Handeln auffassen. Hier können nur Andeutungen
darüber gemacht werden, wie solches Handeln im Unterricht
"situativ inszeniert" werden kann64.
Abgesehen von dem spontanen Verbalisieren, das sich im
Gesprächsverlauf durch das allmähliche Hineinnehmen der
"Haltung aller anderen Beteiligten" strukturiert, sind verschiedene
Spielverfahren möglich, die die "Spiele" auf den drei Ebenen der
Erzählkommunikation aufgreifen und transformiert fortsetzen:
Auf der
Ebene der Figuren haben die Schüler, jedenfalls in den ersten
Klassen der S I, keine Schwierigkeiten, sich im Klassenzimmer in die
filmische Diegese hinein zu imaginieren. Es sollten weniger Szenen aus
dem Film nachgespielt werden, als vielmehr plausibel hinzuerfundene
einzelne Einstellungen erarbeitet werden, die entweder eine im Film
gezeigte Einstellung oder eine Einstellungssequenz fortsetzen oder eine
ganze Szene bzw. ein Filmsegment simulativ einfügen. Dabei sollte
der Unterschied zum Theater- und zum Rollenspielen bewusst beachtet
werden: Indem immer Einstellungen gespielt bzw. geprobt werden,
entsprechend dem jeweiligen „Erzählstil" des Films
(z.B. der Einstellungsdauer, der Härte des Schnitts) - oder ihn
bewusst durchbrechend - und indem diese Einstellungen in Bezug auf ihre
Perspektivität definiert werden, handelt es sich nicht mehr nur um
ein Spiel auf der Figurenebene, sondern auch auf der der Narration, der
Erzähler-Deixis. Wenn dann nicht mehr nur eine fiktive Kamera
(z.B. Schablone mit Ausschnitten der unterschiedlichen
Einstellungsgrößen + Stativ), sondern eine Video-Kamera +
TV-Monitor (Beamer) zur Verfügung stehen, kann auch die
räumliche
Perspektivik auf der Erzähl-Ebene filmisch realisiert und
während der Aufzeichnung visuell per Monitor kontrolliert werden,
und nicht nur das, sondern im Spiel der Rolle des "Aufzeichners"
entsteht ein eigenständiges Syntagma von Einstellungen oder eine
Folge mehrerer Syntagmen, die den Ausgangsfilm unter einem oder
mehreren Aspekten, entsprechend der Partizipation der Schüler,
"umspielt".
Eine
andere Möglichkeit der ästhetischen Transformation auch im
Zusammenhang der Filmrezeption ist ein „literarisches
Rollenspiel", und zwar hier auf den Ebenen der Narration und des
Ausdrucks, indem die Schüler schriftlich Teile des Films
nacherzählen, aber nicht in einem "kondensierenden" Verfahren,
sondern extensiv, nach Regeln des textuellen Erzählens, die
äquivalente Regeln des filmischen Erzählens transformieren.
Bei diesem Verfahren, das in den oberen Klassen der S I praktiziert
werden kann, ist eine mehrfach wiederholte, Anschauung und Wahrnehmung
ermöglichende Vorführung einzelner Einstellungssequenzen
notwendig, ebenso wie ein Protokollieren des Angeschauten und
Wahrgenommenen. So kann in arbeitsteiligem Verfahren eine komplette
Filmerzählung geschrieben werden. Dass auch eine sich weit von der
filmischen Diegese entfernende Transformation in die Sprache der
Allgemeinbegriffe, eine "Digitalisierung" des „analogisch Kommunizierten", möglich
ist, erscheint selbstverständlich. Jeder, der das Bedürfnis
hat, im Zusammenhang mit einer konkreten Filmerfahrung in
begrifflich-vereindeutigender Sprache den anderen etwas mitzuteilen,
sollte dies tun (wenn es nicht gerade der Lehrer ist, der seine
Schüler auf bestimmte "Bedeutungen" der filmischen Zeichen
festlegt). Die Übergänge zwischen den „Sprachen" sind ohnehin fließend.
Insgesamt sollte sich zeigen, in welcher "Sprache" - für einen
selbst und für andere - die Erfahrungen am ehesten zu machen und
zu sagen sind. Bisher lief der Weg, gerade im Literaturunterricht,
meistens vom Analogischen ins Digitale - ohne Umkehr. Einseitig
digitale Kommunikatverarbeitung hat sicherlich ebensowenig mit
ästhetischer Erfahrung zu tun wie einseitig naturalisierende.
Zu dieser letzteren noch einige
abschließende Bemerkungen.
8.
Triviale Filmerfahrung?
Wenn bei
der Rezeption bestimmter Spielfilme in Ausnutzung der diegetischen
Fiktionalität statt nicht-planbarer ästhetischer Erfahrung
nun doch - graduell unterschiedlich - eine fixierte Illusionsbildung
zustande kommt, dann bekanntlich deshalb, weil diese Kommunikate bzw.
ihre Produzenten genau dies intendieren und ihre Rezipienten dies
wünschen. Auch dann wird ein (teil-)ästhetisches Spiel
gespielt, das der ausschließlich automatisierten Denotationen,
das der perfektionierten Augenzeugenschaft, das der
Wunschidentifikationen zur Selbstwertbestätigung und zur
Stabilisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Es wäre
falsch, über diese "schematische" Erzählkommunikation65 einfach den Stab zu brechen; sie hat ihre
gesellschaftliche (zu problematisierende) und wohl auch
individuell-psychohygienische Funktion. Als Ziel für einen
Literaturunterricht, der sich mit diesen Filmen beschäftigt,
scheint mir zweierlei wichtig: Einmal sollte ihre Rezeption, wie bei
nicht-schematischen Erzählfilmen (oder -texten), unzensiert
vonstatten gehen können. Die anschließende, im Unterricht
stattfindende Verarbeitung sollte ebenfalls, wie bei den
"authentischen" Filmen (oder Texten), im Bereich analogischer
Kommunikation verbleiben. Es müsste sich da, individuell sehr
unterschiedlich, zeigen (oder eben nicht zeigen), dass ein solcher Film
doch, wenn auch rudimentär und gegen den Strich der Fiktion und
Narration „gebürstet",
ästhetisches Potential enthält. Alles käme darauf an,
dass die Rezipienten ihre eigenen Erfahrungen ohne „Zensur", ohne Sanktionsangst,
untereinander und füreinander verbalisieren. Je elaborierter, je
weniger offen. Und die Offenheit müsste hier - wie auch sonst - in
Schweigen sich zeigen können.
Eine
explizit ideologiekritische Analyse, so sinnvoll sie hier erscheinen
mag, stellt hohe Ansprüche an die fachliche Kompetenz der
Rezipienten als „Literaturverarbeiter", und
sie müsste zeigen, wie sie aus der von J. Kreft beschriebenen
"Grundaporie" herausführt, dass durch sie "eher noch
größere Unsicherheiten und Ängste erzeugt (werden), die
aus der Problematisierung der Trivialliteratur selbst entspringen"66.
Eine andere Möglichkeit der
Rezeptionsverarbeitung von schematischen, "modalen" Erzählfilmen
könnte darin bestehen, die Art der Rezeption ins Gespräch zu
bringen, die sich nun doch auch hier an der illusionären
Fiktionalität der Figuren und Ereignisse uninteressiert zeigt und
statt dieser Zeichenobjekte die materialen, sinnlich gegebenen
Zeichenträger der Kommunikatoberfläche mit gespannten Sinnen
wahrnimmt, daraus in eher beliebiger Verbindung mit den "modalen
Phantasiewerten" des Inhalts auf allen drei Ebenen der
Erzählkommunikation gezielt die "klare Bewegung: Action, Gewalt,
Dynamisierung"67, die
"Gewaltförmigkeit" und "Schockapperzeption", den "thrill"68, den "Schrecken und Schmerz"69
selegiert, der in diese Kommunikate ebenso gezielt eingebaut ist. Mit
dem Realitätsgehalt solcher Wahrnehmungen, z.B. von grellen
Lichteffekten, dynamischen Schnitten und Perspektivwechseln und
exzentrischen Einstellungsgrößen, kann die
illusionärste Fiktion nicht konkurrieren, hier erhalten die
materialen Zeichenträger/Signifikanten eine völlig andere Art
von "verfremdender" Wirkung, nämlich eine direkt-instrumentale.
Auch eine ästhetische Erfahrung? Als
Kriterium kann wohl das Maß gelten, in dem "sich gerade auch die
blendenden Bilder von Schrecken und Schmerz der Wahrnehmung darbieten
lassen, ohne sie zu traumatisieren"70.
© Dieter Schrey 1981/2006
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Fußnoten
3 B. Balázs 5. Aufl. 1976, S.
19
4 B. Balázs a.a.O.
S. 23
5 I. Degenhardt 1979, S.
142
6 W. Faulstich 2. Aufl.
1978, S. 3
7 Th. Lange 1978, S. 303
8 Bei Filmen verteilt sich
diese Rolle auf verschiedene Personen.
9 Vgl. I. Schneider 1979,
S. 43 ff. Dort geht es um den umgekehrten Vorgang, die
Literaturverfilmung als Transformation von "Text" in "Film".
10 S.J. Schmidt 1980, S.
274 ff.; dort auch die Auseinandersetzung mit G. Wienold u.a.
11 S.J. Schmidt 1980, S.
278
12 S.J. Schmidt 1980, S.
248
13 S.J. Schmidt 1980, S.
282 ff.
13a S.J. Schmidt 1980, S.
286
14 J. Anderegg 1976, S.
33
15 J. Landwehr 1980, S.
39
16 R. Barthes 1964, bei
U. Eco 1972, S. 223 f.
19 U. Eco 1972 versucht,
in seiner Semiotik ohne den Begriff des Referenten auszukommen; U. Eco
1977 verwendet ihn aber wieder. Zur Kritik an U. Eco in diesem
Zusammenhang vgl. G. Bentele/ I. Bystrina 1978, S. 78 ff.
20 U. Eco 1977, S. 60
ff., vgl. auch J.M. Lotman 1977, S. 12 ff.
21 Chr. Metz 1972, S. 29:
"Diegese" nach dem Fremdwörter-Duden u. a. mit "Aufführung"
zu übersetzen.
22 U. Eco 1972, S. 258
ff.
23 Chr. Metz 1972, S. 26 ff.
24 Chr. Metz 1972, S. 29; vgl. hierzu auch W.
Faulstich 2. Aufl. 1978, S. 100 ff.
25 M. Rutschky 1980, S.
222
'26 Vgl.
andererseits S.J. Schmidt 1980, S. 274, der von "erzwungene(n)
Rezeptionshandlungen (etwa im Rahmen des Schulunterrichts, im Rahmen
von Inquisitionsverfahren, Verhören usw.)" (!) spricht.
27 M. Rutschky 1980, S.
202 f.
28 M. Rutschky 1980, S.
205
29 M. Rutschky 1980, S.
210
30 Vgl. hierzu auch S.
Kracauer 13. Aufl. 1979, S. 215 ff. das Kapitel "De Zuschauer", bes.
"Lebenshunger" S. 227 ff.
30a S.J. Schmidt 1980, S.
281 ff.; bezogen auf die Filmrezeption: W. Faulstich 2. Aufl. 1978, S.
112 f.
31 P.G. Cressey, in W. Faulstich 2. Aufl.
1978, S. 104 f.
32 Dargestellt bei A.
Flitner, Kap. Psychoanalytische Spieldeutung und Spieltherapie, in:
Flitner, Andreas: Spielen - Lernen. Praxis und Deutung des
Kinderspiels. Piper Verlag, München 6 Aufl. 1980, S. 58 ff.
33 W. Faulstich 2. Aufl.
1978, S. 101
30a S.J. Schmidt 198c,
S. 281 ff.; bezogen auf die Filmrezept W. Faulstich 2/1978, S. 112 f.
34 W. Faulstich
a.a.O. S. 102
35 W. Faulstich
a.a.O. S. 103
36 W. Faulstich
a.a.O. S. 112
37 W. Faulstich a.a.O. S.
113, ebenso die nächsten Zitate
38 I. Schneider 1979, S.
42
39 Die Ebenen sind
methodologisch, also als Konstrukte anzusehen.
40 So bei C. Kahrmann
u.a. 1977, S. 40 f. und 139 f.j; von "abstrakten Sachlagen"
spricht H.U. Gumbrecht 1976, S. S5 ff., von "Konzepten" K.H. Stierle
1976, S. 28 f., von der "abstrakten Kommunikationssituation" H. Link
1976, S. 25 ff.
41 R. Kloepfer 1977, S.
72; von "sprachlicher Konkretisation" spricht auch K.H. Stierle in
seinem Modell, rechnet sie aber der Ebene des Erzählvorgangs zu:
K.H.Stierle 1976, S. 34 f.
42 R. Kloepfer 1977, S.
71
43 R. Kloepfer 1977, S.
71; Schema und Terminologie auf S. 73. Zur Begründung der Annahme
der dritten, konkreten Ebene s. dort S. 72 und 88
44 Zur Unterscheidung des
"starken" (symbolischen) und "schwachen" (ikonischen) Codes vgl. U. Eco
1972, S. 217
45 U. Eco 1977, S. 174.
Dort, S. 60 ff., allerdings auch die Problematisierung einer allzu
einfachen Klassifikation der Zeichen in Index, Ikon, Symbol. Zur
Unterscheidung der 3 Zeichenmodi vgl. auch G. Bentele/I. Bystrina 1978,
S. 139 ff.
46 U. Eco 1977, S. 60 und
v. a. S. 138 ff.
47 Der vorliegende
Beitrag geht nicht näher auf die wichtigen Wort-Bild-Relationen
ein. Vgl. dazu gr undlegend z. B. S. Kracauer 3. Aufl. 1979, S. 147
ff.: Kap. "Sprache und Ton", und R. Arnheim 1979, S. 282 ff.
48 Chr. Metz 1972, S. 25.
Metz meint hier speziell den Film.
49 I. Schneider 1979, S.
40
49a Nach J. Link
"lässt sich jede Figur als ein Bündel
konfigurationskonstitutiver Merkmale definieren", so dass "sich die
Figuren einer Konfiguration in Elemente zerlegen lassen, aus denen sie
sich zusammensetzen". In: Link, Jürgen: Literaturwissenschaftliche
Grundbegriffe. Fink Verlag,München 1974 (= UTB 305) S. 244
50 Zu den Problemen, die
mit den beiden Arten der Transformation verbunden sind, derjenigen im
Bereich der naturalisierenden Tendenz und der hier gemeinten im Bereich
der kulturalisierenden Tendenz, vgl. die beiden "Regeltypen" der
Transformation bei I. Schneider 1979, S. 43 ff.
51 J. Monaco 1980, S. 141
52 R. Kloepfer 1975, S.
49.: Kloepfer unterscheidet zwischen "Überstrukturierung", d. h.
Parallelismen, und "Unterstrukturierung", d. h. singulären
Abweichungen.
53 J. Monaco 1980, S. 147
ff.
54 R. Kloepfer 1975, S.
48 ff.
54a Th. Kuchenbuch
stellt die Möglichkeiten im 1. Kap. seiner "Filmanalyse" dar: Th.
Kuchenbuch 1978, S. 10 ff.
55 Es sei denn, ein
künstlicher Off-Sprecher/-Erzähler gibt die Basis ab für
die Bebilderung von Literatur.
56 Vielleicht könnte
man beim Film die Narration als "Deixis" spezifizieren, der die "Opsis"
des Zuschauers entsprechen würde: Vgl. G. Schanz 1974, S. 107 f.
und die Verwendung des Deixis-Begriffs bei F. Knilli/E. Reiss 1971, S.
89 ff.
57 Th. Kuchenbuch 1978,
S. 53
58 Nach F.K. Stanzel ist
die "Innenperspektive" die Sicht von innen, von dem inneren "limited
point of view" einer Reflektorfigur oder eines Ich-Erzählers aus:
F.K. Stanzel 1979, S. 149
59 Zum Begriff der
"Illusion" vgl. H.U. Gumbrecht 1977, S. 202
60 Bei W. Faulstich 1978,
S. 104 f.
61 Mead, G.H.: Geist,
Identität und Gesellschaft. Suhrkamp Verlag Frankfurt 1973 (= stw
28), S. 196
62 Zur Frage einer
kommunikativ, nicht technisch orientierten "Operationalisierung" vgl.
J. Kreft 1977, S. 245 ff.
63 M. Rutschky 1980, S.
217
64 Vgl. N. Hopster 1980,
S. 120 ff.
65 J. Anderegg 1976, S.
22 ff. Dieser Begriff ist dem verschwommenen und wertenden Begriff der
"trivialen" Kommunikation vorzuziehen. D. Prokop 1979 spricht in diesem
Zusammenhang von "modalen'' Kommunikationsinhalten und will "modal"
verstanden wissen "im Sinne des statistischen Modalwerts, also der
Mitte der Häufigkeitsverteilung": D. Prokop 1979, S. 77.
66 J. Kreft 1977, S. 328
67 D. Prokop 1979,
Kapitelüberschrift S. 89 ff.
668 Böckelmann,
Frank: Theorie der Massenkommunikation. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1975
(= es 658), S. 82
69 M. Rutschky;1980,
passim
70 M. Rutschky 1980, S.
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Literaturnachweise
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Stanzel, Franz K.: Theorie des
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Stierle, Karlheinz: Text als Handlung.
Perspektiven einer systematischen Literaturwissenschaft. Fink,
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narrativer Texte. In: Funkkolleg Literatur, Studienbegleitbrief 4.
Beltz, Weinheim/Basel 1976, S. 11 ff.
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