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DIETER SCHREY

"GEISTIGE GRUNDLAGEN
FÜR EINE NEUE WELT"

JOSEPH ROTHS "HIOB"-ROMAN
IN GEISTES- UND KULTURGESCHICHTLICHEN KONTEXTEN


Nach dem als Untergang der alten europäischen "Väter"-Welt verstandenen Weltkrieg und dann verschärft seit der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten der Weimarer Republik stellt der Journalist Roth in vielen seiner bedeutendsten Feuilletons die Frage nach "geistigen Grundlagen für eine neue Welt", eine Welt der "Söhne" und "Enkel". Im "Hiob" behandelt Roth diese Thematik am Beispiel eines "ganz alltäglichen" Ostjuden und seiner Familie, indem er die Romanfiguren hineinstellt in die Situation zwischen dem katastrophalen Scheitern sämtlicher festen Bindungen - derjenigen an die traditionellen "Welten" (v.a. die jüdische) und an die neuen "Welten" der 20er Jahre (v.a. "Amerika") - und der Solidarität mit allen Gescheiterten als einziger Alternative. Roths Antwort auf die Frage nach "geistigen Grundlagen für eine neue Welt" ist universalistisch-utopisch: In der als multikulturell aufgefaßten Welt der mediterranen Kultur, wie er sie seit 1925 in Südfrankreich erlebt und in seinen Feuilletons für die Leser der "Frankfurter Zeitung" beschrieben hat, glaubt der Autor die Welt seiner galizisch-jüdischen Kindheit wiederentdeckt zu haben - eine Welt "hinter dem Zaun", der in den 20er Jahren alle die umgibt, die "zur deutschen Welt" gehören, eine Welt, in der es darum ginge, dass "ich keinen Typus, keine Gattung, kein Geschlecht, keine Nation, keinen Stamm, keine Rasse repräsentiere", sondern nur "mich selbst". Im Roman vermag ausschließlich der Sohn des Protagonisten, der geniale (Unterhaltungs-)Musiker Menuchim, auf diese Weise zu sich selbst zu finden - nachdem er zuvor durch tiefstes, unmenschliches Leid hindurchgegangen ist. In ostjüdisch-chassidischer Tradition entwirft Roth auf der Handlungsebene "Finsternisse, um zugleich die Gnade in ihnen zu finden"; letztlich ereignet sich dies allerdings nur in der vom Autor selber als "biblische Musik" charakterisierten, lyrisch-magisch das Leiden und Scheitern der Menschen und den Untergang von "Welten" erinnernd heraufbeschwörenden Sprache des Romans und in der Transparenz der Bilder, indem sowohl einzelne Personen und Szenen als auch die Gesamthandlung auf zentrale Personen, Szenen und Konzepte der Mythen der Hebräischen Bibel hin durchsichtig werden - von Adam und Noah über Abraham, Joseph und Moses bis zu Hiob. (D.S.)



 



Bausteine zur Interpretation


I Lebensgefühl "Boden-
losigkeit"

II Das Bild des ostjüdischen Schtetl
im
"Hiob"-Roman

III Roths Roman in geistes- und kulturgeschichtlichen Kontexten: Das Schtetl - Russland - Amerika - Europa

IV Hiob - ein "einfacher Mann"?
Theodizee im 20. Jahrhundert

V Der Roman eines einfachen Mannes
und seiner Familie
(Interpretation)


Außerdem:

- Europa nach 1918 und Roths Utopie der
"Weißen Städte"

- 12 Thesen zum mentalitäts- und problemgeschichtli- chen Zusammenhang von Roths "Hiob"-Roman

- Grafiken zu "Hiob": Lebenswelten - Lebens-
haltungen - Sinnkonzepte

- Grafiken / Textauszüge "Deutsch-jüdische Literatur"

- Textauszüge "Deutsch-jüdische Symbiose"

- Joseph Roth, "Hiob" - Beginn eines
Stellenkommentars
- Vortrag "Vorüberlegungen zu einem
künftigen Stellenkommentar
auf dem Hintergrund von Editionsfragen"